02.01.2012, 11:42  Aktualisiert: 02.01.2012, 12:55 
„Der kleine Niko“

Jelinek: „Die Sozialdemokratie ist tot“

Die Literaturnobelpreisträgerin übt scharfe Kritik an der Bestellung Niko Pelinkas zum ORF-Büroleiter.
Foto: APA (Archiv/Schlager)/epa apa Sc

Wien – „Jetzt ist sie tot, die Sozialdemokratie“, verkündet Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek in einem zu Neujahr veröffentlichten Text zur Causa Niko Pelinka, den sie auf ihrer Homepage veröffentlicht hat. In „Der kleine Niko“ – eine Anspielung auf den „Buben, gegen den eine ganze Buberlpartie nicht ankommt“ – geht die Autorin hart mit einer jungen Generation „Sprößlinge, Parteikinder dieser Sozialdemokratie, welche nicht mehr gewählt wird, sondern selber wählt“ ins Gericht.

Mit einem „entwaffnenden Grinsen“ trete das Ende der Sozialdemokratie als „sympathischer junger Mann“ auf. „Grins grins grins, dagegen war die Sonne vom Wörthersee ein Kind von Traurigkeit...“, beschreibt Jelinek ihren Protagonisten, „...ein Mensch, der von Abhängigkeiten gezeichnet ist, in die er nun alle, vor allem die Unabhängigen, bisher halbwegs Unabhängigen, bringen muß, das ist seine Aufgabe: die Abhängigkeit.“ Der Text wird durch ein Foto von Niko Pelinka mit Weinglas ergänzt.

Scharf kritisiert Jelinek auch das „Beziehungsgeflecht, in dem einer den andren raufschiebt und schon den nächsten nachschiebt, ein Menschenfressermodell für das Öffentlich-Rechtliche (...), in dem es keine Öffentlichkeit und kein Recht mehr gibt“. Die sozialdemokratische Bewegung habe sich ihre „Totengräber“ selbst gemacht. „Die Sozialdemokratie als Maßschneiderei für Karrieren, so endet sie.“ (tt.com/APA)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mo, 02.01.2012  11:42
aktualisiert: Mo, 02.01.2012  12:55
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