09.01.2012
TV

Ein süßer Kindskopf ersetzt den coolen Onkel

Charlie Harper ist tot, Walden Schmidt wär‘s gern – aus Liebeskummer. Aber das ist nur der Anfang des Neustarts von „Two and a half Men“.

Von Christiane Fasching

Innsbruck – Acht Staffeln lang wehrte sich Charlie Harper mit Händen und Füßen gegen eine feste Bindung – der coole Onkel wollte partout nicht unter die Haube, sondern lieber mit offenherzigen Beautys unter die Decke. Ausgerechnet Haus- und Hofstalkerin Rose konnte den Casanova zuletzt dann aber doch vom Bund fürs Leben überzeugen. Allzu lange sollte der jedoch nicht halten. Anders gesagt – es ist der Tod, der Charlie von Rose scheidet. Und so beginnt die neunte Staffel von „Two and a half Men“ (Dienstag, ProSieben, 21.15 Uhr und Samstag, ORF eins, 18.55 Uhr) mit einer Beerdigung und ohne das einstige Zugpferd der Erfolgsserie.

Charlie Harper ist also nicht mehr – und daran dürfte seine Witwe Rose nicht ganz unschuldig sein. Die erwischte ihren Liebsten nämlich just während der Flitterwochen in Paris mit einer anderen. Und gab ihrem gar nicht göttlichen Gatten daraufhin einen Schubser in die Metro – und damit Richtung Urne, die Bruder und Erbe Alan in Händen hält. Das Strandhaus wäre nun also seines, wenn er es sich denn leisten könnte. Und so muss er sich in der ersten Folge ohne seinen großen Bruder auf die Suche nach einem Käufer für die Harper-Hazienda machen. Der ist rascher gefunden als erwartet, denn plötzlich steht ein platschnasser Feschak namens Walden Schmidt auf der Terrasse – der Internet-Milliardär wollte sich eigentlich aus Liebeskummer das Leben nehmen, doch Alan nimmt den verhinderten Selbstmörder bei einem Drink ins Gebet. Und schwups entschließt sich dieser zum Kauf der Villa. Zur Freude von Haushälterin Berta, die sich sogleich in Alans altem Zimmer einnistet – und ihrem neuen Boss, der gern oben und unten ohne durchs Haus flitzt, bewundernd auf den Sixpack gafft. Aber Alan wäre nicht Alan, würde er sich nicht über Umwege in sein Zuhause zurückschmuggeln. Seinen Sohn Jake, der von der Pubertät und Flatulenz geplagt wird, natürlich mit im Gepäck. Da wären sie also – die alten und neuen zweieinhalb Männer!

Aber funktioniert die testosterongetränkte WG auch ohne den wodkatrinkenden Schürzenjäger im Bowling-Hemd? Ja, der Abgang von Charlie Sheen tut der Serie, die sich zuletzt wirklich nicht mehr neu erfand, sogar gut. So gesehen war der Streit zwischen Sheen und „Two and a half Men“-Erfinder Chuck Lorre, der den Rauswurf des grenzgängerischen Schauspielers zur Folge hatte, vielleicht sogar ein ungeplanter Glücksfall. Ashton Kutcher bringt als infantiler Internet-Milliardär Walden Schmidt nämlich neuen Pep in die eingefahrenen Geschichten. Zum einen, weil der Beau, der nicht über die Trennung von seiner Frau Bridget hinwegkommt, hübsch anzuschauen ist – die Damenherzen fliegen ihm also wie seinem Vorgänger Charlie massenhaft zu. Zum anderen, weil er so herrlich ungeschickt durchs Leben stolpert, dass fraglich ist, ob nun Jake oder er der halbe Mann ist. Trotzdem ist noch nicht klar, wie lange Herr Schmidt im Bild bleiben wird. Kutchers Vertrag ist vorläufig auf ein Jahr begrenzt, im September soll über die Fortsetzung oder das Ende der Serie entschieden werden.

Sheens TV-Zukunft scheint indes gesichert: Für den Sender FX Networks übernimmt er eine Hauptrolle in der Serie „Anger Management“. Zehn Folgen sind bereits bestellt, weitere 90 (!) in Planung. Die Serie basiert auf dem Kinofilm „Die Wutprobe“, bei dem der konfliktscheue Dave (Adam Sandler) vom Aggressionstherapeuten Dr. Buddy Rydell (Jack Nicholson) therapiert wird. Sheen spielt den Therapeuten. Könnte lustig werden.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mo, 09.01.2012
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