08.01.2012
Interview

Ein Schuss Vorsicht fürs Bauchgefühl

So schnell lässt sich die Schnell nicht unterkriegen: Am Dienstag startet die vierte Staffel der Erfolgsserie. Ursula Strauss im TT-Interview.

Am Dienstag startet die vierte Staffel von „Schnell ermittelt“ – ein untrügliches Indiz dafür, dass Angelika Schnell den finalen Bauchschuss von Staffel drei überlebt. Aber wie geht‘s der Kommissarin, nachdem sie dem Tod von der Schippe­ gesprungen ist?

Ursula Strauss: Einerseits ist sie natürlich traumatisiert und verängstigt, andererseits aber auch unendlich froh darüber, dieses Kapitel überlebt zu haben – sie kann endlich wieder ihre Kinder in die Arme schließen und in ihren Job zurückkehren. Am meisten hat sie allerdings damit zu kämpfen, dass ihr Bauchgefühl verloren gegangen ist – beziehungsweise hat dieses ein anderes Gesicht bekommen­. Fakt ist aber, dass die Kommissarin weicher geworden ist – und auch vorsichtiger ...

Die Serie, die 2009 gestartet ist, hat sich rasch zum Quotenhit entwickelt. Dennoch soll nach der vierten Staffel und zwei geplanten 90-Minütern angeblich Schluss sein. Ist die Geschichte auserzählt?

Strauss: Wir haben bei „Schnell ermittelt“ von Anfang­ an sehr langsam und behutsam gearbeitet. Begonnen haben wir mit zwei Folgen, da wusste­ noch keiner, wie sich der Stoff entwickeln wird und ob die Geschichte ankommt. Dann haben wir eine­ Pause gemacht, ehe wir die nächsten vier Folgen produziert haben, danach wieder pausiert – bis die erste Staffel irgendwann fertig war. Auch dann gab‘s wieder eine Verschnauf- und Denkpause, bis wir mit der zweiten Staffel begonnen haben.

Deshalb freu‘ ich mich jetzt erst einmal auf die beiden 90-Minüter, weil ich glaube, dass hier großes Potential liegt, weil mehr Zeit zum Geschichtenerzählen da ist. Man kann mehr in die Tiefe gehen, die privaten Ebenen ausbauen und den Humor stärker hervorheben. Mit 45 Minuten ist man halt einfach schnell am Ende.

Heißt das, Schnell-Fans können auf eine Fortsetzung der Serie hoffen?

Strauss: Vorbei ist‘s sowieso nicht, weil ja die 90-Minüter kommen – die Figuren bleiben einem also­ erhalten. Und was die Serienfortsetzung betrifft, kann ich nur sagen, dass wir das auf uns zukommen lassen, wie bisher. Wir werden also sehen.

Wie sehr ist Ihnen die Frau Kommissarin im Laufe der Jahre ans Herz gewachsen? Und wie oft kommen Trennungsgedanken auf?

Strauss: Irgendwann müssen wir zwei uns sicher voneinander trennen – weil das zum Leben nun einmal dazugehört. Aber das ändert nichts daran, dass mir Angelika Schnell total ans Herz gewachsen ist. Ich liebe diese Serie und ich liebe diese Figur – wir zwei sind im Laufe der Jahre sogar noch enger zusammengewachsen, weil wir uns gegenseitig besser kennen gelernt haben.

„Serientäter“ wie Sie werden oft mit dem TV-Alter-Ego gleichgesetzt – kommt‘s auch bei Ihnen vor, dass Sie auf der Straße als „Frau Schnell“ angesprochen werden?

Strauss: Glücklicherweise passiert mir das nur ganz selten, worüber ich sehr froh bin. Aber das hängt sicher damit zusammen, dass ich neben „Schnell ermittelt“ auch noch viele andere Dinge mache.

Apropos: Sie sind auf vielen Bühnen zuhause, arbeiten am Theater, fürs Kino und fürs Fernsehen. Schlummert ein Workaholic in Ihnen?

Strauss: Lieb, dass Sie sich Sorgen machen, aber ich sehe mich mehr als leidenschaftliche Arbeiterin. Ich liebe meinen Beruf einfach, weil er so vielseitig ist und mir so viele verschiedene Möglichkeiten gibt. Und ich komm‘ schon hin und wieder auch zur Ruhe­.

„Schnell ermittelt“ läuft nicht nur in Österreich, sondern auch in Litauen, Dänemark, Slowenien, Frankreich, Russland, der Ukraine und Kasachstan. 2012 wird der Austro-Krimi auch Deutschland erobern. Wie erklären Sie sich den grenzenlosen Erfolg?

Strauss: Das hängt einfach mit der Qualität des Produkts zusammen. Viele­ Menschen stecken ganz viel Herz und Hirn in die Serie – und das spürt man eben auch. Aber es ist ja auch nicht das erste Mal, dass ein österreichisches Produkt international erfolgreich ist – man denke nur an „Kommissar Rex“, der in unendlich vielen Ländern zu sehen war. Und auch im Kinosektor sind wir bei Festivals in Cannes, Locarno, Venedig oder Toronto vertreten – und zwar sehr erfolgreich. Oft trauen sich ja bloß die Österreicher selbst zu wenig zu – dabei sind wir längst Teil der weiten Welt.

Kommt die weite Welt auch zu Ihnen? Gibt‘s exotische Fanblüten zu erzählen?

Strauss: Freunde haben mir da eine ziemlich lustige Geschichte erzählt, die Bekannten von ihnen passiert ist. Bei einem Urlaub in Indien sind diese zwei Österreicher am Strand gesessen und haben sich unterhalten. Plötzlich wurden sie von zwei Skandinaviern angesprochen und gefragt: „Excuse me, where do you come from? Because it sounds like Schnell.“ Das hab‘ ich entzückend und absurd zugleich gefunden.

Abschließend noch eine indiskrete Frage: Wie wird sich das Liebesleben von Kommissarin Schnell entwickeln?

Strauss: Oh, da passiert einiges. Es taucht da jemand aus dem Nichts in Schnells Leben auf, und anfänglich begegnet sie diesem Jemand auch mit großer Skepsis, die aber rasch verfliegt. Und wie sich herausstellt, ist er einer von den Guten, sie darf also wieder mal verliebt sein. Aber die Liebe bringt auch Komplikationen mit sich – wie‘s nun halt mal so ist.

Das Gespräch führte Christiane Fasching

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 08.01.2012
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