11.01.2012
News

Angst vor ORF-Imageschaden

Die Postendebatte am Küniglberg sorgt nun auch für Unmut unter einigen Stiftungsräten.

Wien – Mit der aktuellen Postendebatte am Küniglberg zieht ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz nun auch den Unmut einiger Stiftungsräte auf sich. „Fassungslos, welchen Schaden Sie dem Unternehmen ORF in der Öffentlichkeit zufügen“, meldete sich am Dienstag der bürgerliche Stiftungsrat Franz Krainer in einem offenen Brief zu Wort. Wrabetz‘ Verhalten in Zusammenhang mit der öffentlichen Ernennung Pelinkas zum Büroleiter werde von Krainer „nicht toleriert“. Die Bestellung sei „nicht nur für Sie persönlich ein Armutszeugnis“, so Krainer. „Mit dieser Entscheidung verspielen Sie das einzige Kapital eines öffentlich-rechtlichen Senders, nämlich den Glauben der Hörer und Seher an die Unabhängigkeit des ORF.“ Weil Wrabetz „der Marke, den Mitarbeitern und den Gremien des ORF nachhaltig“ schade, forderte er den Generaldirektor auf, die Entscheidung im Sinne einer Schadensminderung „umgehend zu widerrufen“.

Schon vor Krainer hatte sich die ebenfalls zum bürgerlichen „Freundeskreis“ gehörende Stiftungs- und Publikumsrätin Bernadette Tischler in einem Brief an Wrabetz zu Wort gemeldet und ihm vorgeworfen, das Ansehen des Unternehmens „massiv beschädigt“ zu haben.

Der unabhängige Stiftungsrat Franz Küberl empfiehlt indes eine Verschärfung der Corporate-Governance-Regeln und schlägt eine zweijährige Cool-off-Periode zwischen einer Tätigkeit als Stiftungsrat und der Bewerbung für eine ausschreibungspflichtige Funktion im ORF vor. Seinen Vorschlag hat Küberl den Mitgliedern der Arbeitsgruppe Corporate Governance, deren Leiter er ist, unterbreitet. Sollte der Vorschlag Zustimmung finden, werde der Gedanke am 20. Jänner in die Stiftungsratssondersitzung eingebracht. Dass Stiftungsräte, die den ORF-General wählen, anschließend in ORF-Führungsfunktionen befördert werden, stoße seit Längerem auf Kritik. Nun sei ein geeigneter Zeitpunkt zur Abschaffung dieser Möglichkeit gekommen.

Rückendeckung bekommt der Vorschlag vom Leiter des bürgerlichen „Freundeskreises“ im Stiftungsrat, Franz Medwenitsch, der auf APA-Anfrage meinte: „Ich unterstütze jede Initiative, die die Unabhängigkeit des ORF stärkt.“ Stiftungsratsvorsitzende Brigitte Kulovits-Rupp erklärte sich grundsätzlich mit Nachbesserungen im Verhaltenskodex einverstanden, warnte aber vor einem Schnellschuss angesichts der aktuellen Diskussion. Den ORF-Generaldirektor sowie die ORF-Mitarbeiter forderte Kulovits-Rupp auf, die Diskussion hausintern weiterzuführen. Auch Küberl mahnte zu „Besonnenheit“.

Angesprochen auf die Proteste bezüglich der Causa Pelinka meinte Bundeskanzler Werner Faymann am Montagabend in der „ZiB2“, dass auch er es sich nicht nehmen lassen würde, seinen Büroleiter selbst auszusuchen. Wenn der ORF-Generaldirektor also jemanden als Leiter seines Büros wolle, dann rede er nicht mit, so Faymann. (APA, TT)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mi, 11.01.2012
Vorteilszone
Partyfotos
Gewinnspiele
Parship
radio.at
Unterkunftssuche
Panoramabilder
Panoramabilder
"HEISZE TASTEN"
Panoramablick
AGB Kontakt Impressum