11.01.2012, 12:43  Aktualisiert: 11.01.2012, 14:01 
ORF-Personalia

Causa Pelinka: ORF-Redakteure sammelten 1316 Unterschriften

Für den ORF-Redakteursrat ist Niko Pelinka nach einem Mailwechsel mit seinen SPÖ-„Freundeskreis“-Kollegen „endgültig inakzeptabel“.
Niko Pelinka (rechts) bittet, obwohl nicht mehr Stiftungsrat, seinen Freundeskreis zur Fraktionssitzung in den SPÖ-Klub.
Foto: APA (Archiv/Neubauer)/HERBERT NE

Wien - Die ORF-Journalisten haben wegen der geplanten Postenbestellungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, die einen Tag vor Weihnachten bekanntgegeben wurden, eine interne Unterschriftenliste für einen „unabhängigen ORF“ aufgelegt. Am Mittwoch gaben die Redakteursvertreter bekannt, dass 1316 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterschrieben hätten. Kritik übten sie einmal mehr an dem Avancement des bisherigen SPÖ-Stiftungsrates Niko Pelinka, der Büroleiter von Generaldirektor Alexander Wrabetz werden soll. Dieser sei durch seinen vom „Kurier“ bekanntgemachten Mailwechsel mit seinen SPÖ-„Freundeskreis“-Kollegen „endgültig inakzeptabel“ geworden, schrieben sie in einer Aussendung.

Die Liste unterzeichneten 1126 hauptberufliche ORF-Journalisten und 190 weitere Informationsprogramm-Mitarbeiter. In manchen Bereichen, etwa bei den Auslandskorrespondenten, der Fernsehwissenschaft, bei ORF III und im Radio bei der aktuellen Kultur und in der Konsumentenredaktion, hätten 100 Prozent der beschäftigten Journalisten unterschrieben, hieß es. Insgesamt hätten mehr als drei Viertel aller bei ORF-Redakteurssprecherwahlen Wahlberechtigten unterzeichnet.

Der Vorsitzende des Redakteursrates, Fritz Wendl, sprach von einem „Riesenerfolg“ und einem klaren Bekenntnis zur Unabhängigkeit des ORF. Das Ergebnis zeige, „wie groß die Empörung unter den ORF-Journalisten ist“. Auch im Ö1-Mittagsjournal wurde über das Ergebnis berichtet.

E-Mail sorgt für Aufregung

Einmal mehr stand am Mittwoch der Büroleiter in spe im Mittelpunkt der Betrachtungen: Nachdem bekannt wurde, dass dieser noch immer Einladungen an die Mitglieder des SPÖ-“Freundeskreises“ im Stiftungsrat sowie an Josef Cap und Laura Rudas zu einem Treffen in den Räumlichkeiten des SPÖ-Parlamentsclubs verschicke, „kann wohl davon ausgegangen werden, dass nun endlich auch der ORF-Generaldirektor erkennt, wie inakzeptabel eine ORF-Beschäftigung von Nikolaus Pelinka wäre“, so die Redakteure.

Pelinka hat sich beworben

Nach dem Ende der Ausschreibungsfrist für den Job des Büroleiters in der ORF-Generaldirektion ist nun auch offiziell, dass der Wunschkandidat von Generaldirektor Alexander Wrabetz, Niko Pelinka, sein Interesse auch formal deponiert hat. „Ja, ich habe mich wie angekündigt um den Job beworben“, sagte Pelinka am Mittwoch knapp. Neben ihm soll sich dem Vernehmen nach eine „niedrige dreistellige Zahl“ an Interessenten für den Job gemeldet haben. Ein Hearing ist für die kommenden Tage angesetzt, sagte ORF-Kommunikationschef Martin Biedermann.

Ein Hearing muss dann einberufen werden, wenn die Gleichstellungsbeauftragte im ORF, Monika Rupp, dies verlangt. Dies ist etwa der Fall, wenn geeignete Frauen unter den Kandidaten sind. Wie Biedermann sagte, ist dieser Schritt schon eingeleitet worden. Ein genaues Datum wurde zunächst nicht kommuniziert. Das Gremium für das Hearing sei jedenfalls Geschlechter-paritätisch besetzt, bestehend aus zwei Frauen und zwei Männern. Das Ergebnis ist jedoch nur „beratend“ zu verstehen, die Letztentscheidung liegt beim Generaldirektor.

In den vergangenen Tagen wurden zahlreiche mögliche und tatsächliche weitere Kandidaten für den Job bekannt, nachdem die ORF-Redakteure zu Massenbewerbungen aufgerufen hatten, um Pelinka zu verhindern. (APA)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mi, 11.01.2012  12:43
aktualisiert: Mi, 11.01.2012  14:01
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