ORF hat deutlich höheren Info-Anteil als von Privaten behauptet
![]() Foto: MEV-Verlag, Germany
|
||
Wien – Der ORF weist in Sachen Programmausgewogenheit deutlich bessere Werte auf, als ihm von Privatsendern unterstellt wird. Zu diesem Ergebnis kommt ein von der KommAustria in Auftrag gegebenes und der APA vorliegendes Gutachten, in dem das Fernsehprogramm des ORF von Jänner 2010 bis August 2011 analysiert wurde. Der Umfang der Informationssendungen auf ORF eins und ORF 2 wird für 2011 darin mit 23,5 Prozent beziffert. Der Verband Österreichischer Privatsender (VÖP) hatte dem ORF in einer Beschwerde bei der KommAustria vorgeworfen, dass die beiden ORF-Sender zusammen nur auf 11,4 Prozent Informationsanteil kommen würden.
Der Anteil der Kultur in ORF eins und ORF 2 lag laut dem vom Kommunikationswissenschafter Jens Woelke erstellten Gutachten in den ersten acht Monaten des Vorjahres bei 3,1 Prozent, Sportsendungen machten 5,8 Prozent aus, der Anteil der Unterhaltung lag bei 56 Prozent, Werbung und Trailer machten demnach 11,6 Prozent aus. Die Werte für 2010 fielen ähnlich aus.
Die Privatsender kamen bei ihren Erhebungen auf 67,2 Prozent Unterhaltungsanteil in den beiden ORF-Programmen. Mit dem Vorwurf der ORF sei in seiner Programmierung zu privat legte man Beschwerde bei der Medienbehörde KommAustria ein - konkret wegen fehlender Ausgewogenheit und mangelnder Unverwechselbarkeit des ORF-TV-Programms. Die KommAustria forderte in der Folge ein unabhängiges Gutachten an.
Im VÖP war am Freitag vorerst niemand telefonisch erreichbar, im ORF gab man sich auf APA-Anfrage abwartend. „Der ORF hat vier Wochen Zeit für seine Stellungnahme und wird das vorliegende Gutachten im Detail analysieren beziehungsweise selbst weitere Gutachten einholen“, so ORF-Kommunikationschef Martin Biedermann. Positiv anzumerken sei laut Biedermann, dass „das Gutachten den absurden Kategorie-Zuordnungen, die der VÖP in seiner Beschwerde anführt, eine klare Absage erteilt“ habe. Die Privatsender hätten „weniger als die Hälfte“ an Informationsanteil auf ORF eins und ORF 2 „errechnet“.
Zugleich wies man im ORF darauf hin, dass das Gutachten nach Ansicht des öffentlich-rechtlichen Senders „diverse methodische Fehler“ aufweise und einen „undifferenzierten Unterhaltungsbegriff“ zugrunde lege. So würden etwa preisgekrönte fiktionale ORF-Eigenproduktionen wie „Schnell ermittelt“ oder das eigenproduzierte Kinderprogramm in einen Topf mit gekaufter Serien-Ware geworfen. Die Regionalisierung in der TV-Information würde zu wenig berücksichtigt, das Informations- und Kulturangebot des neuen Spartenkanals ORF III noch nicht entsprechend gewürdigt, so Biedermann. (APA)
aktualisiert: Fr, 13.04.2012 14:46

