„Das erste Seebeben und der Tsunami sind vorbei“
StadtLesen
Lesegenussreise StadtLesen tourt fünfzehn Wochen lang durch Deutschland, Österreich und Südtirol.
Schmökern Von 28. Juli bis 31. Juli, 9 bis 22 Uhr, stehen Lesemöbel und rund 3000 Bücher vor dem Landestheater bereit. Am Donnerstag, 28. Juli, 19.30 Uhr, liest Heinz D. Heisl bei freiem Eintritt.
Was werden Sie bei der Veranstaltung „StadtLesen“ vortragen?
Heinz D. Heisl: Ich werde etwas aus dem „Greiner“ lesen und aus den „Hechenbichler Protokollen“.
Worum geht es in dem neuen Roman?
Heisl: Es handelt von einer Innsbrucker Abrissbaustelle. Es geht um einen Wörtereinatmer, den jeder sieht, aber der nicht greifbar ist. Der zweite Teil sind Beziehungsprobleme der verschiedensten Art.
Wie ist das genau mit dem Wörtereinatmer?
Heisl: Der Bauarbeiter Hechenbichler beobachtet, wie einer an der Baustelle steht und immer, wenn der Staub aufgeht, saugt er den Staub auf. Der Unbekannte sagt, er macht das aus dem Grund, weil sich jedes gesprochene Wort in jedem Haus in das Gemäuer einnistet und wenn es abgerissen wird, löst sich das alles heraus und er kann das alles herausfiltern, was da je gesprochen wurde, und er erzählt Geschichten aus den Häusern.
Was erwartet die Zuhörer heuer bei Sprachsalz?
Heisl: Ich freue mich sehr auf die Lesung von Norbert Gstrein und auf Gerald Stern, das ist einer der großen zeitgenössischen amerikanischen Lyriker.
Sprachsalz hat sich von Robert Renk getrennt. Der Streit um den Namen „Sprachsalz“ ging dann gegen Renk aus. Haben sich die Wogen geglättet?
Heisl: Sagen wir so, das erste Seebeben und der Tsunami sind vorbei, hoffen wir, dass es keine Nachbeben gibt.
Der Schriftsteller Greiner nimmt den Literaturbetrieb aufs Korn. Würden Sie das Buch heute wieder so schreiben?
Heisl: Ich könnte es aufgrund meiner Erfahrung bei Sprachsalz heute überhaupt nicht mehr schreiben, denn heute wäre ich wirklich böse. Ich möchte aber immer hinter der Hand lachen können. Speziell die Erfahrung mit den Autoren, die dieses so genannte Solidaritätsschreiben für Robert Renk leichtköpfig unterschrieben haben, hat mich enttäuscht. Ich habe gedacht, das sind Leute, die hinschauen, wenn sie etwas verfassen.
Werden diese Autoren, etwa Robert Schindel, Raoul Schrott und Robert Menasse, jetzt nicht mehr eingeladen?
Heisl: Die Herren waren alle schon beim Festival und haben die Annehmlichkeiten in Anspruch genommen.
Es gibt also kein Wiedersehen?
Heisl: Es ist bei uns generell so, dass es keine Dubletten gibt.
Richtet sich Sprachsalz neu aus?
Heisl: Es gibt diesmal eine Kooperation von Sprachsalz mit den Klangspuren und nicht mehr mit der Wäscherei P. , deren Leitung Robert Renk sehr verbunden ist.
Sie haben vor zehn Jahren in Klagenfurt gelesen, wie haben Sie das erlebt?
Heisl: Man trägt seinen Text aus einem Schützengraben heraus vor und dann wird heftig geschossen.
Sie mussten ziemlich viel Kritik einstecken.
Heisl: Ja, rückblickend muss ich sagen, dass ich ohne Klagenfurt nie einen Roman fertig geschrieben hätte. Ich wollte dann beweisen, dass ich es hinbekomme.
Händl Klaus hat Klagenfurt als ein Ferienlager mit Tombola bezeichnet. Sehen Sie das auch so?
Heisl: Bei unseren Kämpfen im Lager wollte niemand den anderen verletzen, in Klagenfurt sind die Juroren auf Verletzung der Autoren aus. Das sind alles verhinderte Schriftsteller mit einem Batzen Minderwertigkeitskomplex.
Wie sehen Sie die Zukunft des Buches?
Heisl: Menschen werden künftig schön gemachte Bücher kaufen. Einen Bestseller lade ich mir vom Netz herunter und stelle ihn nicht in die Bibliothek. Bestseller sind ja letztlich Bücher, die viele gelesen haben, aber keiner persönlich.
Das Gespräch führte Alexandra Plank



