29.01.2012
Österreich

Katzen mit mehr als sieben Leben

Nach 28 Jahren kehrt das Erfolgsmusical „Cats“ nach Wien zurück. In der Londoner Originalinszenierung, aber in deutscher Sprache.

Von Alexandra Plank

Wien – „Katzen haben sieben Leben“, so besagt es der deutsche Volksmund. Eine gewisse Spezies von Katzen scheint sogar unsterblich zu sein: Getreu dem Cats-Motto „Now and Forever“ – „Auf immer und ewig“ – hat das Musical mit nunmehr über 65 Millionen Zuschauern weltweit absolut unübertroffen den ersten Rang in der Geschichte des Musiktheaters überhaupt erklommen. Ab heute kommt das Erfolgs­musical zurück nach Wien. Rum Tum Tugger, Mr. Mistoffelees­, Grizabella und andere Samtpfoten wetteifern im schwarzen Theaterzelt Wien-Neu Marx um ein weiteres Katzenleben.

Die technischen Daten sind imponierend: Das Cats-Theaterzelt hat eine Höhe von 25 Metern und einen Durchmesser von 60 Metern. 300 Dimmer, 450 Scheinwerfer und ca. 10.000 Glühlampen in Lichterketten sorgen auf der Bühne und im Foyer­zelt für die stimmige Atmosphäre. Insgesamt sind 45 Trucks notwendig, um das komplette Equipment von Gastspiel zu Gastspiel zu transportieren. 30 Darsteller und 10 Musiker erwecken den berühmtesten Schrottplatz der Welt jeden Abend auf der 270°-Rundbühne zum Leben. Hinter der Bühne kümmern sich ca. 30 Personen nicht nur um die 86 Perücken und 124 Kostüme, sondern auch um vollkommen reibungslose Abläufe. „Die Rundbühne­ hat den Vorteil, dass die Zuseher mehr denn je am Trubel des legendären­ Katzen-Balls teilhaben. Kein Sitz ist mehr als 20 Meter von der Bühne entfernt“, erklärt Manager Juan Escandell im Gespräch mit der Tiroler Tages­zeitung.

Zu sehen ist die Cats-Originalinszenierung aus London in deutscher Sprache. Wien ist ein besonderes Pflaster für das erfolgreichste Musical aller Zeiten: Peter Weck brachte es als Theater-an-der-Wien-Intendant im Jahr 1983 erstmals auf Deutsch heraus – und stieß damit den Musical-Boom im deutschsprachigen Raum an. In Wien wurde die Show sieben Jahre lang gestürmt. Und die Österreicher haben offenbar nicht genug: Für das Wiener Gastspiel sind schon mehr als 50.000 Karten verkauft. Escandell sieht den Auftritten in Wien mit besonderer Anspannung entgegen: Es sei aufregend, das Musical in deutscher Sprache an den Ort zurückzubringen­, wo alles begonnen hat.

„Die Inszenierung von Cats ist weltweit gleich, das gilt auch für die Kostüme­, das Bühnenbild und die Choreographie. Nur die Übersetzung ist österreichisch. Es gibt auch eine Hamburger Version­, aber für die Tournee in Österreich, Deutschland und der Schweiz wurde auf die österreichische Produktion zurückgegriffen­, weil die Übersetzung mehr Charme hat“, erklärt Escandell.

Die Katzen-Geschichte basiert auf der literarischen Vorlage des Nobel­preisträgers T. S. Eliot, die weltberühmten Melodien stammen von Andrew­ Lloyd Webber. Seine Cats-Songs haben Musikgeschichte geschrieben: Jeder­ kennt das berührende Lied „Erinnerung“ („Memory“), gesungen von Stars wie Barbra Streisand und der Deutschen Angelika Milster. Escandell ist überzeugt davon, dass das Musical in Wien erneut die Herzen erobern wird: „Wir haben ein wunderbares Team, ich sehe keine Schwäche­ in irgendeiner Rolle“, schwärmt der Manager. Allerdings sei die Arbeit an dem Musical eine wahre­ Knochenarbeit: „Für viele­ geht mit dem Auftritt in Cats ein Lebenstraum in Erfüllung. Ich sage den 33 Darstellern zu Beginn immer­, dass sie mir leidtun. In den ersten drei Wochen intensivster Proben­zeit wachen sie keinen Morgen ohne heftige Schmerzen auf.“

Auch der Vater der deutschsprachigen Cats-Version, Peter Weck, weiß um die Herausforderung: „Der Musicaldarsteller von Cats muss von besonderer Begabung sein, weil Singen, Spielen und Tanzen in einer Person perfekt vorhanden sein muss“, so Weck zur TT. Weck hat die Schirmherrschaft über die Produktion übernommen. An die Anfänge in Wien kann er sich noch gut erinnern. „Sicher war die damalige deutsche Erstaufführung in Wien ein Wagnis. Aber ohne Risiko kein Erfolg. Ich habe daran geglaubt und gewonnen.“ Die Schwierigkeit bei der Übersetzung hätten darin bestanden, nicht nur den Sinn der Gedichte von T.S. Eliot zu erfassen, sondern die Worte auch singbar zu machen. Das sei Michael Kunze bestens gelungen.

Die aktuelle Situation des Musicals in Wien sieht Weck hingegen nicht positiv: „Der Schwerpunkt Musical liegt heute in Hamburg. Wir in Wien haben unsere damalige Vormachtstellung längst eingebüßt.“

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 29.01.2012
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