27.01.2012
International

Sein Herz schlug für die Außenseiter

Berlin – Er war einer der Charakterköpfe des deutschsprachigen Films: Vadim Glowna spielte in mehr als 160 Kino- und Fernsehproduktionen mit. Er drehte mit Größen wie Claude Chabrol, Romy Schneider und Klaus Kinski, unter Gustaf Gründgens und Peter Zadek stand er auf der Bühne. Die Spanne seiner Werke reichte vom „Tatort“ bis zum „Faust“. In der Nacht zum Dienstag ist „Der Geschichtenerzähler“ – so nannte­ Glowna seine Memoiren – im Alter von 70 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit in Berlin gestorben­.

Glowna war noch bis zuletzt aktiv. So war er in der TV-Saga­ „Borgia“ zu sehen, drehte Ende­ 2011 in Italien „Ins Blaue“, und stand in Australien­ für den TV-Film „Jack Irish – Bad Debts“ vor der Kamera.

Während seiner Ausbildung zum Schauspieler schlug er sich als Nachtpage und Seemann durch, bis er 1961 von Gründgens am Hamburger Schauspielhaus vom Statisten zur Sprechrolle in „Faust II“ befördert wurde – der Beginn seiner Bühnenkarriere. Am Bremer Theater gab er unter Zadeks Regie den Melchior in Wedekinds „Frühlingserwachen“ und den Karl Moor in Schillers „Räubern“ – für Glowna war es „die Schule überhaupt“. Sein Filmdebüt hatte er 1964 in „Im Schatten der Großstadt“. Er brillierte in Literaturverfilmungen wie Feuchtwangers „Exil“, Frischs „König Blaubart“, Walsers­ „Ein fliehendes Pferd“ oder Bölls „Gruppenbild mit Dame­“. Als einem der wenigen deutschen Schauspieler­ gelang Glowna auch der Sprung auf das internationale Parkett, mit Filmen wie Chabrols­ Remake von „Stille­ Tage in Clichy­“ oder Sam Peckin­pahs Kriegsfilm „Steiner – Das eiserne Kreuz“.

Bei Krimis wie „Der Alte“ oder „Siska“ führte er auch selbst Regie. Einen großen Erfolg hinter der Kamera feierte er mit der Großstadtballade „Desperado City“, die 1981 beim Festival in Cannes als bestes Debüt geehrt wurde.

In der Fernsehdoku „Tschechow in meinem Leben“ (1985) begleitete Glowna seine damalige Frau Vera Tschechowa nach Russland. Für Oskar Roehlers „Die Unberührbare“ wurde er für einen Deutschen Filmpreis nominiert. Lob gab es auch für „Schwabenkinder“ von Jo Bauer. Glowna war ein Vielspieler mit einem Herz für die Rolle des Außenseiters. Das Feuilleton-Etikett „Bösewicht vom Dienst“ mochte er nicht. „Die Strauchelnden, die ich spiele, sind meist ganz einfach nicht stark genug, sich aufrecht zu halten“, sagte Glowna einmal. (dpa)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Fr, 27.01.2012
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