Neue Bilderwelten oder Geldtopf?
Von Edith Schlocker
Schwaz – Wenn schon die Baukunst bei den neuen Schwazer Stadtgalerien auf der Strecke geblieben ist, soll wenigstens der neue – auf das Einkaufszentrum hinaufgesetzte – Stadtsaal mit Kunst veredelt werden. Durch einen „Bühnenvorhang“ der ganz besonderen Art, konzipiert als festes, aus vier variabel verschiebbaren Elementen zusammengesetztes Tor, mit den im geschlossenen Zustand beachtlichen Ausmaßen von 16 x 5,6 Metern.
Für seine künstlerische Gestaltung wurde im vergangenen Herbst vom Stadtmarketing ein international offener Realisierungswettbewerb ausgelobt. Dass an ihm nur 16 Künstler teilgenommen haben ist für den Schwazer BM Hans Lintner „sehr enttäu- schend“, nicht zuletzt angesichts der Dotierung des Siegerprojekts mit 50.000 Euro. Dieses stammt vom Innsbrucker Künstler Franz Wassermann und wurde am 13. Dezember von einer Jury gekürt. Der neben der Leiterin der Stadtgalerie Schwaz, Eva Maria Stadler, den Kunsthistorikern Markus Neuwirth und Marion Piffer Damiani u. a. auch Lintner angehörte. Und der unumwunden zugibt, sich natürlich zur mehrheitlichen Juryentscheidung zu bekennen, wenn ihm persönlich auch das an dritter Stelle gereihte Projekt – Platz zwei ging an Robert Fleischanderl – von Anton Christian lieber gewesen wäre. Nicht zuletzt wegen seines direkten Schwaz-Bezugs.
Der allerdings auch Wassermanns Siegerprojekt nicht abzusprechen ist. Basiert es doch auf einem Stich aus Ludwig Lässls „Schwazer Bergbuch“ aus dem 16. Jahrhundert. Von Wassermann transformiert in die digitalisierte Wirklichkeit, indem er das Sujet, das drei hart unter Tag arbeitende Knappen zeigt, in 1408, je 25 mal 25 Zentimeter große Pixel zerlegt. Mittels Magneten aufgebracht auf einer speziell beschichteten hölzernen Bühnenwand, um das Kunstwerk interaktiv benutzbar zu machen. Indem durch Verschieben der Pixel und das dadurch entstehende Manipulieren der bestehenden alten Bilderwelt spannende neue Wirklichkeiten kreiert werden könnten.
In seiner Sitzung vom 25. Jänner hat auch der Schwazer Gemeinderat dem Kunstwerk seinen Sanctus gegeben. Fertig sein sollte es bis Ende Juni, ob es jemals montiert werden wird, steht allerdings in den Sternen. Neben bautechnischen Änderungen werden raumakustische Probleme ins Treffen geführt bzw. ein generelles Nachdenken über die zukünftige Optik des neuen Schwazer Stadtsaales.
Bezüglich der technischen Ausführung seines Projekts ist Franz Wassermann gesprächsbereit. Sich darüber Gedanken zu machen, wurde er aber von offizieller Seite bisher nicht aufgefordert.
Dass – falls Wassermanns Projekt nicht umsetzbar ist – das zweit- oder drittgereihte zum Zug kommt, schließt BM Lintner aus. Die 50.000 Euro würden dann in einen Topf gelegt. Wozu und für wie lange, dazu will sich der Bürgermeister nicht äußern.



