Fragen kostet nichts
Von Christiane Fasching
Innsbruck – Günther Jauch hat Thomas Gottschalk beerbt. Und das hat jetzt nur am Rande mit „Wetten, dass..?“ zu tun. Seit der Blondschopf sich von der Wettcouch verabschiedet hat, ist sein langjähriger Spezi nämlich nun der Unterhaltungskönig und sein TV-Quiz „Wer wird Millionär?“, das seit September 1999 einen fixen Platz im RTL-Universum hat, die erfolgreichste Sendung im deutschsprachigen Fernsehen.
Im Vorjahr zappten im Schnitt knapp sieben Millionen Menschen zu Jauchs Fragestunde, die heute zum 1000. Mal auf Sendung geht. Und einen imposanten Zahlenschwanz nach sich zieht. 2100 Kandidaten zerbrachen sich ihre Köpfe an mehr als 26.500 Fragen und knöpften RTL dabei satte 95 Millionen Euro ab. Der Glitzerregen, der den Millionengewinn bedeutet, rieselte zehnmal auf den heißen Stuhl, wurde dreimal allerdings nicht im Köfferchen mit nach Hause genommen, sondern einem wohltätigen Zweck übermittelt. Oliver Pocher, Barbara Schöneberger und Thomas Gottschalk räumten den Hauptgewinn schließlich in Promi-Specials ab. Als Wiedergutmachung bescherten sie Jauch und RTL allerdings Topquoten. Als Tommy die Million knackte und Heidi Klum mit Optik punktete, saßen sagenhafte 14,2 Millionen Zuseher vor den Fernsehgeräten. Quoten, die früher nur Wettkönig Gottschalk einfuhr. Aber um den soll‘s hier ja gar nicht gehen. Denn während Jauch seinem Jubiläum entgegenfiebert, steht dem ARD-Neuzugang der Angstschweiß auf der Stirn. Seine Vorabend-Show „Gottschalk live“ leidet unter massivem Zuschauerschwund. Von den anfänglichen 4,3 Millionen Zusehern sind nach acht Sendungen nur noch 1,6 Millionen übrig. Fast könnte einem der große Blonde leid tun.
Jauch nimmt sich an ihm aber immer noch ein Beispiel. Angesprochen auf eine etwaige Amtsmüdigkeit als Quizmaster, brachte er seinen Kumpel aufs Tapet: „Wenn ich so lange wie Thomas dabei bleibe, haben wir gerade einmal die Halbzeit erreicht.“ Klingt also nicht so, als ob der Millionärsmacher die Fragekarterln so schnell abgeben würde. Die Gefahr, dass ihm die Fragen ausgehen, besteht übrigens auch nicht: Ein zehnköpfiges Team kümmert sich darum, dass die Kandidatenköpfe ordentlich rauchen – und keine falsche Antwort ins Spiel kommt. Gänzlich pannenfrei ging‘s aber auch bei „Wer wird Millionär?“ nicht zu. So wurde einst gefragt, welcher Physik-Nobelpreisträger in der Nationalmannschaft seiner Heimat kickte. Als richtige Antwort hätte Niels Bohr gegolten, der tatsächlich ein guter Fußballer war. Doch Quellen belegen lediglich, dass sein Bruder Harald das Nationaldress trug – um Stress zu vermeiden, wurde der Kandidat erneut eingeladen. Und Wikipedia als Recherchequelle gestrichen.
Jauch selbst durfte sein Wissen auch schon einmal vor laufenden Kameras unter Beweis stellen – und zwar im ORF. In der „Promi-Millionenshow“ schüttelte ihn Kandidatin Mirjam Weichselbraun aus dem Ärmel. Zur Freude von Armin Assinger, der den Austro-Ableger seit dem Jahr 2002 im gleichen Studio wie Jauch aufzeichnet, ihm aber noch nie die Hand schütteln durfte. Seinen Job als „Telefonjoker“ erledigte der 55-Jährige mit Bravour. Wer jahrelang Fra- gen stellt, merkt sich eben auch so manche Antwort. Oder anders gesagt: Quizzen bildet. Und ist Teil der Alltags- und auch Sprachkultur. So haben es die drei Joker-Varianten – Telefon, Fifty-Fifty und Publikum – in den Duden geschafft.



