Ei, lustig ist‘s im Wiener Wald
Wien – Der Herrenwitz trieb und treibt nach wie vor an vielen Stätten sein Unwesen, sicherlich nicht jedoch in den so unverwechselbaren Theaterstücken eines Ödön von Horváth. An der Josefstadt denkt man da offenbar etwas anders und beweist dies mit der am vergangenen Donnerstag gemischt aufgenommenen Premiere der „Geschichten aus dem Wiener Wald“.
Der Versuch des Hausherrn und Regisseurs Herbert Föttinger, Horváths so scheinbar beiläufigen, bitterharten Dialogen Schlüpfrigkeiten abzunötigen, mag, den frivolen Lachern nach zu urteilen, ein paar Herren aus dem Publikum wohl zupass gekommen sein, zerrt das Meisterwerk aber lieblos auf eine ihm nicht gebührende Ebene. Unverständlich auch, wieso das zwischen Vater (Erwin Steinhauer gibt souverän einen bösen, egomanischen Zauberkönig), Verlobtem Oskar (mit Thomas Mraz eher ein Ritter von der faden Gestalt) und dem Geliebten Alfred aufgeriebene widerspenstige Opfer Marianne fast die gesamte Donau-Ausflugsszene im Evakostüm absolvieren muss. Alma Hasun ist in einigen Momenten glaubhaft, insgesamt aber eine sehr angestrengte Marianne, während Florian Teichtmeister seinen Alfred solid, jedoch mit einem Quäntchen zu viel Praterstrizzi-Gehabe ausstattet. Sandra Cervik verleiht der Trafikantin Valerie mit viel wuchtigem Nachdruck den Charme der verblühenden Vorstadtschönheit. Den Jubel auf ihrer Seite hatte natürlich Erni Mangold als niederträchtige Großmutter.
Vieles hätte man mit der intelligenten Bühne (Rolf Langenfass) – einfache Metallbaumstämme, die nur mit einigen, die Szenen charakterisierenden Kleinmöbeln akzentuiert werden – anstellen können, hätte der Regisseur mehr Augenmerk auf das Agieren der Schauspieler im Raum gelegt. So aber bleibt der sicher ambitioniert angelegte Horváth-Abend im Versuchsstadium stecken und erfreut nur wenig. (lietz)



