22.03.2010
Österreich

Funny Games im Hinterzimmer

Spannend bis zuletzt: Jordi Galcerans Bewerbungs­psychospiel „Die Grönholm-Methode“ im Kellertheater.

Von Christiane Fasching

Innsbruck – Bewerbungsgespräche können höllisch sein. Man muss sich von seiner Schokoladenseite präsentieren, die richtigen Antworten auf noch so hinterhältige Fragen parat haben, Hemd oder Bluse bügeln und stets so agieren, als wäre man Herr oder Frau der Lage. Schließlich geht‘s um was – um einen Aufstieg auf der Karriereleiter, um mehr Geld, mehr Anerkennung und natürlich auch darum, etwaige Mitbewerber aus dem Rennen zu kicken.

Wie extrem es dabei zugehen kann, ist derzeit im Innsbrucker Kellertheater zu sehen, wo das spanische Erfolgsstück „Die Grönholm-Methode“ von Jordi Galceran auf dem Spielplan steht. Vier aufstrebende Karrieristen kämpfen dabei um eine Führungsposition in einem multinationalen Konzern – und müssen bald erkennen, dass ihnen einstudierte 08/15-Floskeln hier nicht weiterhelfen. Stattdessen muss das Quartett perfide Psychospielchen über sich ergehen lassen, stets mit der Angst im Nacken, dass sich unter die Job-Konkurrenz auch ein Firmenspion gemogelt hat.

In der fesselnden Inszenierung von Susanne Altweger laufen Johann Nikolussi als undurchsichtiges Ekel Fernando, Walter Ludwig als scheinbar sanftmütiges Weichei Enrique, Julia Kronenberg als zielstrebige Denkerin Mercedes und Florian Eisner als vordergründig netter Schlipsträger zur Höchstform auf. Alsbald werden Selbstachtung und Schamgrenzen in den Wind geschossen – ohne groß zu mucken, werden die Aufgaben, die via Zettelpost gestellt werden, erledigt. Und auch intime Einblicke in ihr Privatleben geben die Bewerber preis, sobald der anonyme Fragensteller es fordert: Elternkomplexe, Geschlechtsverwirrung, Ehebruch – alles kommt auf den gläsernen Tisch. Schließlich geht‘s um einen Spitzenjob. Und bevor den jemand anderer bekommt, verkommt man eben zum Seelenstripper.

Doch irgendwas ist faul im sterilen Hinterzimmer, dessen Boden knallrot leuchtet. Aber sobald der Zuschauer denkt, des Rätsels Lösung erraten zu haben, wendet sich das Blatt schon wieder. Glauben darf man hier niemandem – auch dann nicht, wenn die vier Konkurrenten (oder sind‘s doch Komplizen?) lustige Hütchen tragen, mit den Tränen ringen und vermeintliche Masken fallen lassen.

Knapp zwei Stunden dauert das spannende Kammerspiel, dessen Ausgang hier auf keinen Fall verraten werden soll. Inmitten von Alexia Engls geradlinigem Bühnenbild, das staubtrockene Büro-Atmosphäre vermittelt, entfacht sich ein Psychokrimi, der von vier hervorragenden Schauspielern getragen wird. Dick auftragen müssen sie dabei nicht – die vielschichtigen Wesenszüge ihrer Charaktere präsentieren Nikolussi, Ludwig, Kronenberg und Eisner mit einer erfrischenden Leichtigkeit, die ohne Theatralik auskommt. Wer am Ende mit bzw. ohne Job nach Hause geht, müssen Sie aber selbst herausfinden.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mo, 22.03.2010
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