Schlossbergspiele Rattenberg zeigen Mitterers „Narr Gottes“
Von Christine Fasching
Rattenberg – Felix Mitterer hasst Freilichtstücke. Das wiederum hat gar nichts mit Freilichtstücken zu tun, sondern mit dem vermaledeiten Wettergott. Der meint‘s in Tirol nämlich nicht gut mit Theaterproduktionen unter Sternenhimmel. Man erinnere sich nur ans Vorjahr, als die Premiere der „Siebtelbauern“ bei herbstlichen acht Grad über die Bühne der Schlossbergspiele Rattenberg ging. Ob Petrus heuer besser gestimmt ist? Schließlich erobert mit Franz von Assisi ein Heiliger die Outdoor-Bühne.
Wobei sich auch darüber streiten ließe. „Ich sehe Franziskus nicht als Heiligen. Die Kirche hat ihn nur dazu gemacht, um ihn mundtot zu machen“, erklärt Mitterer, der den Helden seines Stückes „Der Narr Gottes“ vielmehr als „Revolutionär“ zeichnen wollte. Regisseur Pepi Pittl gefällt diese Interpretation. „Wer meint, dass bei unserem Franziskus-Stück dauernd gebetet wird, der irrt. Wir erzählen vielmehr eine spannende Geschichte, die alles andere als heilig ist“, macht Pittl Lust auf die österreichische Erstaufführung des Assisi-Abenteuers. Die Premiere geht – wenn das Wetter mitspielt – am 29. Juni über die Bühne. Knapp 50 Mitwirkende werden dabei den Schlossberg erobern, der sich in den kommenden Wochen in ein Fleckerl Umbrien verwandeln soll. Hauptdarsteller Heinz Auer steckte am Mittwoch indes schon im Gewand des sagenumwobenen Franziskus, der einst in San Damiano zu Gott fand und in der Folge dem verschwenderischen Klerus Demut vorlebte.
„Ich bin für viele doch nur ein ungebildeter Idiot. Ein Verrückter, der Stimmen hört“, tönt‘s durch die halbfertige Kulisse, während im Hintergrund ein paar Spatzen zwitschern. Nicht weil sie sollen, sondern weil sie wollen. Die ursprüngliche Idee, animalische Statisten zum Einsatz zu bringen, haben Schlossberg-Obfrau Claudia Lugger und Regisseur Pittl nämlich wieder verworfen. „Wir wollten für die Vogelpredigt mit echten Tiere arbeiten – aber das hat sich als Ding der Unmöglichkeit herausgestellt“, jammert Lugger. Und kann sich ein Lachen nicht verkneifen, als sie von den gescheiterten Versuchen berichtet, bühnentaugliches Federvieh zu engagieren.
„Manche Vögel kann man aus dem Hut zaubern, andere bringen auf Kommando Eheringe daher – aber Vögel, die auf Befehl dasitzen und zuhören, müsste man wohl noch erfinden“, bekennt die Theaterlady. „Der Enthusiasmus war da, uns hat nur die Ahnung gefehlt“, lacht auch Pittl. Und erklärt, dass auf dem Schlossberg stattdessen tierisch engagierte Zweibeiner zum Einsatz kommen. Und ein animalischer Regisseur. Pittl: „Das einzige Tier hier heroben bin ich.“



