Kultur ist Kitt der Gesellschaft
Innsbruck – Christine Oppitz-Plörer hat viel zu tun, doch die Bürgermeisterin nimmt sich Zeit. Für ein ausführliches Gespräch über die Kultur in der Landeshauptstadt. Im siebenköpfigen Stadtsenat kümmert sich Oppitz-Plörer neben den Finanzen um Personal, Wirtschaft, Tourismus und nun auch um Kultur. Den Kulturbegriff fasst sie weit. Er beinhaltet für sie nicht nur die klassischen Kultureinrichtungen, sondern auch Bildung und Wissenschaft. Kultur sei alles, was den Geist herausfordert, ein Lebensmittel und der Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält.
Weshalb haben Sie die Kultur zur Chefsache erklärt?
Oppitz-Plörer: Ich halte es da mit Hilde Zach: Neben Sach-themen braucht es auch etwas fürs Herz, und das ist nun einmal die Kultur.
Früher hat sich Stadträtin Patrizia Moser exklusiv um die Kultur gekümmert. Besteht die Gefahr, dass bei Ihren vielfältigen Aufgaben die Kultur zu kurz kommt?
Oppitz-Plörer: Nein, das befürchte ich nicht. Ich brauche natürlich eine Einarbeitungszeit und die nehme ich mir auch. Ich muss auch viele Einrichtungen neu kennen lernen. Innsbruck bietet ein sehr breites kulturelles Programm, sodass man jeden Abend ein Kulturerlebnis haben kann, vom Kleintheater bis zur Hochkultureinrichtung. Ich möchte bei möglichst vielen Veranstaltungen anwesend sein. Jetzt kann ich das mit gutem Gewissen tun, als ich das Ressort noch nicht innehatte, war das ein kleiner Luxus.
Ein Großprojekt ist ja das „Haus der Musik“. Was halten Sie von dem Vorschlag, das Haus so zu organisieren wie das Theaterhaus, also als eine Art Musik-WG mit Platz für die freie Szene?
Oppitz-Plörer: Es gibt zum „Haus der Musik“ unzählige Ideen. Die Finanzierung von Stadt und Land steht, mit dem Bund müssen wir noch eine Einigung erzielen. Tatsache ist, dass etwa die Proberäume für das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck, die Kammerspiele und das Mozarteum fix sind, dann gibt es noch ein Café und andere Räumlichkeiten, viel mehr ist nicht möglich, sonst sprengen wir die Kubatur. Mit so einem Projekt schwillt natürlich das Anspruchsdenken. Es sollen im Haus und um das Haus herum aber noch Freiflächen bleiben, denn wir planen ein Kulturquartier zwischen Herrengasse und Sillgasse, das die Hofburg, das Volkskunstmuseum, das Tiroler Landestheater, das Haus der Musik, das Treibhaus, die Schuleinrichtungen, die Jesuitenkirche bis hin zum MCI umfassen soll. Da ist Kultur und Wissenschaft vereint.
Wie soll der Innsbrucker Sommer künftig aussehen?
Oppitz-Plörer: Es werden Gespräche mit Tourismusverband und Land darüber geführt, was alles zum Innsbrucker Sommer dazugehört. Das ist eine hervorragende Veranstaltungsschiene. Aber eine Bestandsaufnahme schadet nicht.
Was gehört weiterhin fix dazu?
Oppitz-Plörer: Da würde ich mir jetzt nicht den Mund verbrennen, denn wenn ich nicht alles aufzähle, habe ich die anderen morgen am Tisch sitzen.
Der Innsbrucker Sommer hat ein Budget von 345.000 Euro. Wird es da künftig Transparenz geben, wer wie viel bekommt?
Oppitz-Plörer: Das ist zu kurz gegriffen, wir werden alle Subventionen bis Ende des Jahres veröffentlichen.
Der Tanzsommer wurde gestern eröffnet. Braucht es in Innsbruck eine Avantgarde-Schiene?
Oppitz-Plörer: Eine Avantgarde-Schiene wäre eine Draufgabe zum bestehenden Angebot in Innsbruck. Sollte die Entwicklung dahin gehen, werden die Verantwortlichen an uns herantreten.
Das Haus der Musik und das Theaterhaus sind zwei große räumliche Projekte. Auch die Rotunde soll wieder genutzt werden. Wie gedeihen die Pläne?
Oppitz-Plörer: Im September soll die „vor ort ideenwerkstatt“, an der Stadt und Land beteiligt sind, starten. Ein mobiles Büro wird eingerichtet, Workshops und Straßenaktionen sollen stattfinden. Auch eine Internet-Plattform gibt es. Mir ist eine intensive Beteiligung der Bürger wichtig. Die Vorschläge sind vielfältig, Tanzquartier, Disco, Aquarium, Museum, Jugendzentrum, Kletterhalle. Vielleicht kommt die richtige Idee noch. Es können kleine und große Ideen eingebracht werden und müssen nicht nur von Innsbruckern kommen. Diese Art von Aktionismus habe ich so noch nicht gesehen. Ich bin schon gespannt ...
Wie im Kulturbericht 2011 steht, betrugen die Subventionen über 1,8 Millionen Euro. Wie entwickelt sich das Kulturbudget?
Oppitz-Plörer: Erfreulich. Es kommt zu keiner Kürzung, sondern wie in den vergangenen 17 Jahren zu einer Erweiterung. Gerade im Subventionsbereich betragen die Erhöhungen ca. 1 Prozent. Die Ausweitung basiert auf Wertschätzung. Es muss also nicht zwingend etwas Neues entstehen. Wir wollen u.a. Dreijahresverträge beibehalten, die Kunsteinkäufe der Stadt ausstellen, verschiedene Veranstaltungen in die Stadtteile hinausbringen, dabei auch Veranstaltungen wie Straßentheater berücksichtigen.
Die Stadt-Potentiale wurden von 70.000 auf 100.000 Euro aufgestockt. Ein Zugeständnis an die Grünen?
Oppitz-Plörer: Schon Stadträtin Moser sah in den Potentialen eine große Chance. Es ging darum, ein verlässliches Anreizsystem zu schaffen für tolle Initiativen. Ich denke zum Beispiel an die Menschenbibliothek. Die Stadtpotentiale sind eine freie Finanzspritze.
Wo sehen Sie Innsbruck als Kulturstadt in fünf Jahren?
Oppitz-Plörer: Wenn wir es schaffen, das breite Angebot, zu halten, bin ich zufrieden. Kulturschaffende sehe ich dabei als hervorragende Partner, deren Unterstützung ist unsere Aufgabe. Dass wir uns als Kulturhauptstadt bewerben, strebe ich nicht an. Das wäre ein Großereignis vergleichbar mit den Olympischen Spielen. Das Geld würde woanders fehlen.
Das Gespräch führten A. Plank und S. Strobl


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