Eine wahrlich fesselnde Geschichte
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„Shades of Grey“: Die ersten Geschichten von „E.L. James“ erschienen in einem Internetforum. Als die Texte zu heiß wurden, stellte die Schottin Erika Leonard sie auf ihre eigene Website. Ein Verleger veröffentlichte die Story als digitales E-Book. Nicht einmal ein Jahr später hatte es alle Bestseller von den vorderen Plätzen geworfen. Von der Trilogie wurden allein in den USA und Kanada 15 Millionen Bücher verkauft. Demnächst soll der Roman verfilmt werden.
Von Irene Rapp
Innsbruck – Sie heißt Anastasia Steel, ist 21, Studentin, kommt aus ärmlichen Verhältnissen und ist natürlich noch Jungfrau. Er – Christian Grey – ist einige Jahre älter, Selfmade-Milliardär und natürlich erfahren. Nicht zu vergessen: Beide sehen gut aus und verfallen einander bzw. verlieben sich ineinander. Was klingt, wie jede andere Liebesgeschichte mit einem Hauch von Aschenputtel, geht aber noch weiter: Denn Grey steht auf Sadomaso-Sexspiele, Steel lässt sich nach Anfertigung eines Vertrags über die Spielregeln darauf ein.
„Shades of Grey: Geheimes Verlangen“ heißt das Buch, in dem diese Geschichte erzählt wird, in Ichform aus der Sicht von Anastasia und in einer Ausführlichkeit, die keine Fragen offenlässt. Das Publikum indes kann von Fesselspielen und Schlägen mit Hand oder Peitsche offenbar nicht genug kriegen. „Im angloamerikanischen Raum wurde ,Shades of Grey’ bislang 15 Millionen Mal verkauft“, heißt es aus dem Goldmann-Verlag, der sich die Rechte für die deutsche Fassung gesichert hat.
Wochenlang stand der Titel auf der New York Times-Bestsellerliste. Vom Time Magazine wurde die Autorin Erika Leonard – eine zweifache Mutter in den Endvierzigern, die in Großbritannien lebt – zu einer der 100 einflussreichsten Menschen der Welt gereiht. Am 9. Juli ist das Buch „Shades of Grey“ im deutschsprachigen Raum erschienen, erstmals in einer Auflage von 500.000 Stück. „Die Anfragen sind sehr hoch. Wir sind gespannt, wie sich das entwickelt“, heißt es dazu aus dem Goldmann-Verlag.
Viele andere hingegen fragen sich nur noch eines: Ist es das, was die Frau im dritten Jahrtausend, in dem sie endlich die ersten Erfolge der Emanzipation auskosten kann, will? „Nein“, sagt der Innsbrucker Sexualwissenschafter Josef Christian Aigner. Er hat sich mit dem Inhalt des Buches beschäftigt, es allerdings nicht gelesen. Und er betreut in seiner Praxis immer wieder Menschen mit sexuellen Problemen. „Natürlich ist das eine Abweichung von dem, was man als Sex leben will“, spricht er die gewalttätigen Szenen an. Vielmehr sei der Run auf das Buch, die angebliche Lust der Frau auf männliche Dominanz als eine Reaktion auf die heutzutage unklar gewordenen Geschlechterrollen zu sehen.
Denn soll Mann Softy oder Macho, Metrosexueller oder Mann mit Muskeln sein? Und wie ist es richtig, Frau zu sein? „Da existieren viele diffuse Ängste, auch vor Gewalt, und die kann man durch derartige perverse Phantasien abwehren. Und in der Phantasie ist frau selbst die Regisseurin“, glaubt Aigner eine Erklärung gefunden zu haben. Allerdings würden auch selbstbewusste Frauen auf diese Geschichte stehen, Frauen, die im wahren Leben ihren Mann stehen. „Da spielt das Bedürfnis eine Rolle, einmal die Kontrolle abzugeben und sich fallen lassen zu können – aber eben nur in der Phantasie.“ Im realen Leben hingegen würden sich diese Frauen nie als unterworfenes Weibchen sehen. Sorge um die Gleichberechtigung muss man sich also keine machen. Vielmehr glaubt Aigner, dass sich auch so mancher Mann das Buch „Shades of Grey“ kaufen könnte.
In den USA indes schwärmen viele Leserinnen von der stimulierenden Wirkung des Buches auf ihr Liebesleben. Und für Fortsetzung ist gesorgt. Im September soll der zweite Teil von „Shades of Grey“ erscheinen, im Oktober der dritte.


Startschuss für neuen Landtag

