30.08.2010, 10:49  Aktualisiert: 17.02.2011, 09:58 
International

Streit über moderne japanische Kunst im Schloss Versailles

In den ehrwürdigen Hallen sorgt eine geplante Ausstellung des Japaners Takashi Murakami und andere Gegenwartskünstler für Aufregung.
Eine geplante Ausstellung von Skulpturen des japanischen Künstlers Takashi Murakami im Schloss Versailles sorgt für Aufruhr. Foto: EPA

Versailles – Eine geplante Schau moderner japanischer Kunst in den altehrwürdigen Hallen des Schlosses Versailles erregt die Gemüter konservativer Kunstliebhaber in Frankreich. Der japanische Künstler Takashi Murakami und andere Gegenwartskünstler hätten in dem berühmten Schloss nahe Paris „nichts zu suchen“, hieß es am Sonntag auf der Website www.versailles-mon-amour.fr. Schon mehr als 3500 Unterzeichner hätten sich in einer Petition gegen die Ausstellungspläne gewendet. „Das Schloss ist keine Reklametafel, sondern eines der Symbole unserer Geschichte und unserer Kultur“.

Murakami will vom 14. September bis zum 12. Dezember in Versailles vielfarbige Statuen aus Silber, Glasfaser und Metall zeigen. Der 47-Jährige hat in der Vergangenheit durch freizügige Kunstwerke im Stil japanischer Manga-Comics von sich reden gemacht, unter anderem mit der Figur einer nackten vollbusigen Frau, die über ein Band aus Muttermilch springt, oder einem lachenden unbekleideten Jüngling, der seinen Samen verspritzt.

Diese Werke sollen zwar nicht Teil der Schau sein. Für Anne Brassie, die die Petition anstieß, sind sie aber Grund genug, Murakamis Werke nicht im Schloss Versailles zu zeigen. „Sie haben keinen Platz in den königlichen Gemächern“, sagte sie der Nachrichtenagentur AFP. Eine andere Gruppe, das Bündnis zur Verteidigung von Versailles, will bereits mehr als 4000 Unterschriften für eine weitere Petition gesammelt haben. Deren Initiator Arnaud Upinsky nannte die Ausstellung im Schloss „illegal“.

Der Museumsleiter und frühere Kulturminister Jean-Jacques Aillagon sagte AFP, die Proteste kämen von „rechtsgerichteten fundamentalistischen Kreisen und von sehr konservativen Zirkeln“. Die Ausstellung ist Teil einer Reihe mit Werken moderner Kunst im Schloss Versailles. Die erste Schau im Jahr 2008 zeigte Werke des US-Künstlers Jeff Koons und sorgte ebenfalls für Kritik in konservativen Kreisen. (APA/AFP)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mo, 30.08.2010  10:49
aktualisiert: Do, 17.02.2011  09:58
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