05.08.2011, 06:35  Aktualisiert: 05.08.2011, 12:35 
Buch-Tipp

Tod einer Walküre

Bayreuth ist immer mal wieder für Schlagzeilen gut.
Jobst Schlennstedt : „Tödlicher Abgesang“ (Piper, April 2011, ISBN 978-3-492-25828-9, 233 Seiten, 8,95 Euro/ 13,90 SFr.).
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Berlin – Etwa, wenn die Uni Plagiatsvorwürfe gegen Spitzenpolitiker zu untersuchen hat oder wenn sich die Wagner-Cousinen auf dem Grünen Hügel in den Haaren liegen. Im Krimi „Tödlicher Abgesang“ von Jobst Schlennstedt geht es allerdings viel brutaler zu und her.

Da wird die französische Sängerin Vanessa Depoutot bei den Wasserspielen der Eremitage mit einer Kopfwunde tot aufgefunden. Schnell wird Kommissar Zollinger und seinem aus Hamburg stammenden Kollegen Sören Brunkhorst klar, dass sie ermordet wurde. Aber es muss ein weiterer Mord geschehen, bis die Ermittler den Tätern auf die Spur kommen.

Vanessa ist bei der unteren Grotte brutal erschlagen worden. Vor ihrem Tod war sie offenbar vor dem Täter geflüchtet, wobei sie Schuhe und Mantel verlor. Danach fand ein heftiger Kampf zwischen den beiden statt. Vanessa wurden büschelweise Haare ausgerissen. Das lässt eher auf einen Kampf zwischen Frauen schließen, die Brutalität deutet hingegen auf einen Mann als Täter.

Vanessa wird von ihrer Mitbewohnerin als ruhige, eher zurückhaltende und spröde Person beschrieben. Von einem Freund weiß sie nichts. Ein anderes Bild zeigt sich, als Zollinger und Brunkhorst sich in der französischen Bar umhören, wo die Sängerin während einiger Zeit verkehrt hat. Dort hatte sie offensichtlich eine Affäre mit einem Studenten, der inzwischen wieder nach Frankreich zurück gekehrt ist. Und: Vanessa hatte kurz vor ihrem Tod Sex, nichts weist aber auf eine Vergewaltigung hin.

Im Mantel der Toten findet Zollinger die Telefonnummer seines Neffen, der in der Nähe eine Kletterschule betreibt. Vanessa hat dort einen Kurs für zwei Personen gebucht. Wer die zweite Person ist, weiß der Neffe allerdings nicht. Wer ist der Unbekannte? Es scheint, dass Zollinger und Brunkhorst nur diesen Mann finden müssen.

Aber so einfach gestalten sich die Ermittlungen dann doch nicht. Die Polizei erfährt von erbitterten Streitigkeiten und Rivalitäten zwischen Sängerinnen am Festspielhaus. Der Starregisseur scheint auch nicht über jeden Zweifel erhaben und auch der Besitzer des Biergartens in der Nähe des Tatorts scheint Dreck am Stecken zu haben. Erst ein zweites Verbrechen bringt die Polizei auf die richtige Spur.

Die Handlung - verbrämt mit kulinarischen Eigenheiten der Gegend und angereichert mit Liebes- und Beziehungsgeschichten bei der Polizei - ist hochdramatisch. Das darf sie sein, schließlich spielt sie in Bayreuth! Und das Buch bleibt bis zur letzten Seite vergnüglich spannend.

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Fr, 05.08.2011  06:35
aktualisiert: Fr, 05.08.2011  12:35
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