01.07.2010
Österreich

Grenzgänge und ein Schwarzer Peter

Ungeahnte Klänge entlockt Martin Mallaun der Zither auf seiner neuen CD.

Von Ursula Strohal

Innsbruck – Martin Mallaun, musikalisch der grenzsprengenden Zitherklasse des Tiroler Landeskonservatoriums entwachsen und ein international anerkannter Meister seines Fachs, ist, wie er sagt, „beständig auf der Suche nach neuen klanglichen und stilistischen Ausdrucksformen auf der Zither“. Seine erste CD, „zwischen steinen“, wurde mit dem Pasticcio-Preis von Ö1 ausgezeichnet, die zweite, „Omonéro“, ist soeben erschienen und voller Überraschungen. Fünf zeitgenössische Komponisten sorgen dafür, dass der Kitzbüheler Musiker seinem Instrument Töne und Rhythmen entlockt, die man der Zither nie zugetraut hätte. Mallaun: „Unerschöpflich scheint der Klang- und Farbenreichtum dieses merkwürdigen Zupfinstruments mit fünfeinhalb Oktaven Tonumfang und der Aufteilung in fünf Griffbrettsaiten und 34 frei schwingende Basssaiten.“

Leopold Hurt lässt ihn zupfen, wischen und klopfen, regt ihn zu neuen Techniken an, die auch neue Klangergebnisse bringen. In vielen Wiederholungen hört diese Musik sich selbst nach. Dieter Schnebels „Sammelsurium“ erprobt in kurzen Stücken die Kunst des Anfangs, zögerlich, überschwänglich, fragend, perkussiv. Vertreten ist auch Georg Friedrich Haas’ „Saitenspiel für umgestimmte Diskantzither“, Auftragswerk des Klangspuren-Festivals von 2002: ein intellektuelles Spiel von eindringlicher Wirkung, das sich nach gut neun Minuten und einem explosiven Akkord zart und rasch in einer Aufwärtsbewegung auflöst. Erstmals wagte sich der Trompeter Franz Hautzinger für eine „kleine Göttermusik“ an die Zither, präludierend, sich forttastend, sich erinnernd, alles reduziert und zart. Verlangsamte, minimalistische Technik, die hineinzieht in ihre introvertierte Schönheit.

„Omonéro“ heißt das Schwarzer-Peter-Spiel in der Toscana und „Impresa Omonéro“ das Stück von Manuela Kerer. Die sechs Sätze entstehen über Klopfzeichen, über ostinate Rhythmen, da überfallen einen witzige Passagen und bedrohliche Pausen, Einzeltöne reizen die Resonanz aus, plötzlich wird gesägt und Berggeister scheinen unterwegs zu sein. Hinter den Satzbezeichnungen aus Südtiroler Synonymen für „hinterhältig sein“ („Ziehen hinterfotzig“, ,,Paare ablegen hinterrux“ usw.) verbirgt sich Kerers Musikalität und Originalität.

Omonéro, Neue Musik für Zither. Martin Mallaun, Zither. Werke von Hurt, Schnebel, Hautzinger, Kerer, Haas (Extraplatte).

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 01.07.2010
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