Sein Lied ist nun für immer verstummt
Berlin – Er galt als „Jahrhundertsänger“ – Dietrich Fischer-Dieskau, der mit seiner Stimme Millionen betörte, ist tot. Der Bariton starb am Freitag in seinem Haus in Berg bei Starnberg in Bayern kurz vor seinem 87. Geburtstag. „Er ist sanft entschlafen“, sagte seine Frau, die Sopranistin Julia Varady. Untrennbar mit seinem Namen verbunden ist Franz Schuberts Liederzyklus „Winterreise“, aber auch die Interpretation der Lieder von Gustav Mahler und Carl Löwe. Mit seinem Repertoire wurde das deutsche Lied in aller Welt bekannt. Der Sänger machte auch Karriere auf der Opernbühne, als Musikpädagoge und Schriftsteller.
Der am 28. Mai 1925 in Berlin geborene Künstler hatte am 31. Dezember 1992 seine Gesangskarriere beendet. Er verabschiedete sich damals mit einer Gala an der Bayerischen Staatsoper. Neben dem Liedgesang pflegte Fischer-Dieskau das Opernfach. Ob als Wolfram von Eschenbach in „Tannhäuser“ oder Papageno in der „Zauberflöte“ – mit seiner glockenklaren Stimme, seiner Bühnenpräsenz und seiner deutlichen Aussprache begeisterte er seine Zuhörer. Insgesamt gibt es mehr als 400 Schallplatten von ihm. Fischer-Dieskaus Karriere begann 1947 in Badenweiler, wo er bei Brahms „Deutschem Requiem“ für einen erkrankten Solisten einsprang. Kurz danach verpflichtete ihn die Städtische Oper in Berlin, der er, dann als Deutsche Oper Berlin, ein Leben lang treu blieb. Doch trat er auch in Opern- und Konzerthäusern weltweit auf .
Die erste Aufnahme der „Winterreise“ ist aus dem Jahr 1948, später erschienen davon weitere Einspielungen. In einem Interview sagte er, „Die Winterreise“ sei „das Beste, was einem Bariton passieren kann“. Sein wohl bekanntester Liedpartner am Klavier war der Brite Gerald Moore, aber auch Swjatoslaw Richter, Daniel Barenboim oder Christoph Eschenbach gehörten immer wieder zu seinen Begleitern. Bis zuletzt hatte er Meisterklassen gegeben. Unter seinen Schülern waren Thomas Quasthoff und Christian Gerhaher. (dpa)



