12.01.2012
Innsbruck

Das Frühjahr wird dramatisch

Zum sechsten Mal werden in Innsbruck Stücke junger Dramatiker zu sehen sein.

Von Alexandra Plank

Innsbruck – Das Dramatikerfestival, das heuer zum sechsten Mal (19. Mai bis 7. Juli) unter der Patronanz des Tiroler Landestheaters (TLT) stattfindet, hat sich längst als Bühne für junge Autoren etabliert. Letztmalig wird das Festival, das alle zwei Jahre stattfindet, vom scheidenden Schauspielchef Klaus Rohrmoser organisiert und programmiert. Zur Eröffnung steht ein düsteres Kapitel der Tiroler Geschichte auf dem Spielplan. Matthias Kessler, der am TLT bereits mit MenschenMörder bewiesen hat, dass er dokumentarisches Material in spannendes Theater verwandeln kann, wendet sich mit dem Stück „Hexenhammer“ dem Spätmittelalter in Innsbruck zu.

Die Metropole in Tirol zählt zu den reichsten und bedeutendsten Städten der damaligen Welt. Und sie ist Schauplatz des ersten großen Hexenprozesses in Oberdeutschland, ein Schauprozess von bis dahin ungeahnter Größe. Er ist Teil der Entstehungsgeschichte eines der gefährlichsten Bücher der Menschheit, des Hexenhammers. Sein Autor, der Dominikaner-Prior, unter seinem bürgerlichen Namen Heinrich Kramer bekannt, hat von Papst Innozenz VIII. den Titel des Inquisitors erhalten – und die Bulle „Summis Desiderantes Affectibus“.

Der Hexenhammer entstand, als Kramer mit einer Inquisition in Innsbruck in der Diözese Brixen scheiterte. Als Reaktion auf diese Niederlage verfasste er sein Traktat, um seine Position zu stärken und die Hexenverfolgung vor deren Gegnern zu rechtfertigen. Des Weiteren legt die Landeckerin Petra Maria Kraxner mit dem Stück „Die Bläue bleibt in etwa zu 52 Prozent“ eine dramatische Übersetzung von Georg Trakls Biographie in die Gegenwart vor. Trakl ist ein großes Thema des Festivals. Unter dem Motto „Trakl in the City“ wird in Innsbruck an öffentlichen Orten aus dem Werk des Dichters gelesen. Zwei „Lange Nächte der Dramatiker“ bieten unter anderem Kostproben von Egon A. Prantl und Christine Frei.

Das Festival ist auch ein Abschiedsgeschenk von Rohrmoser, der künftig als freier Schauspieler und Regisseur in Wien arbeiten wird, an die Tiroler. Rohrmoser ist optimistisch, dass das Festival auch nach seinem Weggang weiterbestehen wird. „Es wird sicher in einer gewissen Form weitergehen. Allerdings wahrscheinlich nicht mehr unter der Patronanz des Tiroler Landestheaters. Gespräche mit anderen Tiroler Theatern sind geplant“, so Rohrmoser.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 12.01.2012
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