13.01.2012
Tirol

Im Dickicht der Andeutungen

Fährtensucher und Fährtenleger im Fotoforum: Claudia Fritz und Anton Kiefer.

Von Ivona Jelcic

Innsbruck – „Kyselaks Wege“ waren 2100 Kilometer lang und führten durch die habsburgischen Kronländer bis nach Bayern und Tirol. Joseph Kyselak (1799–1831) hat dabei nicht nur geschaut, er schrieb auch unter anderem seinen Namen auf Denkmäler, Gebäude, Plätze. So wurde aus dem wandernden Wiener Hofbeamten so etwas wie ein Vorreiter der Graffiti-Kultur, einer, den man heute Tagger nennen würde – und für den sich bereits Literatur, Film und Forschung interessiert haben.

Auch der St. Johanner Fotograf Anton Kiefer interessierte sich für „Kyselaks Wege“, die ihn u. a. ins Passeiertal zur Witwe von Andreas Hofer geführt haben. Über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg hat Kiefer ihnen, geleitet von Kyselaks Reisebeschreibungen, nachgespürt. Es sind zum Teil dokumentarische, manchmal skurrile, bisweilen auch romantische Aufnahmen, die Kiefer von seinen Reisen mitbrachte. Und die neben Texten von Kyselak gezeigt werden. Wodurch sich ein nicht unspannendes Beziehungsgeflecht wie auch manche Fragen ergeben: Das eigene Wissen diktiert die Wahrnehmung – was bleibt also, abgesehen von den offensichtlichen Veränderungen, übrig von 200 Jahre alten Beobachtungen im Blick eines heutigen Fotografen?

Kiefer ist, wie auch die zweite Tiroler Fotografin, in dieser Doppelschau Mitarbeiter der von Fotoforum-Chef Rupert Larl geleiteten Landesfotodokumentation. Die Arbeit der Innsbruckerin Claudia Fritz unterscheidet sich von Kiefers aber grundlegend. „Dschungel“ nennt die gelernte Architektin ihre großzügig im Raum installierte Serie, die in ein Dickicht aus vermeintlichen Gegenpolen führt: Fritz interessiert sich für jene Orte, an denen Kultur und Natur aufeinandertreffen, sich womöglich auch durchdringen. Die Schatten, die so manches Stadtpflänzchen auf Fassaden, Garagentore oder Glasfronten werfen, sind ein schönes Beispiel dafür. Und immer auch eine Andeutung des Unwägbaren, Unheimlichen der (wilden) Natur. Aber man passt sich einander an: So kann sogar ein Mauerriss zu Wurzeln einer Schattenpflanze werden.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Fr, 13.01.2012
Vorteilszone
Partyfotos
Gewinnspiele
Parship
radio.at
Unterkunftssuche
Panoramabilder
Panoramabilder
"HEISZE TASTEN"
Panoramablick
AGB Kontakt Impressum