Viele Grüße vom fernen Olymp
Innsbruck – Zuletzt hat sich das in der Egger-Lienz-Straße ansässige Generationentheater mit dem Schicksal der jüdischen Bevölkerung während des Nazi-Regimes in Innsbruck auseinandergesetzt. Jetzt knüpft sich die Theatergruppe den antiken Komödiendichter Aristophanes vor – und damit die Krise Griechenlands sowie gelebte Demokratie. Der deutsche Autor und Regisseur Marc Pommerening hat aus den Aristophanes-Komödien „Der Friede“, „Pluto, der Geldgott“ und die „Vögel“ ein Stück kreiert, das als „Krisis“ am 17. Jänner, 20 Uhr, im Generationentheater diemonopol Premiere feiert.
Von Krise im siebten Jahr ist im Generationentheater nichts zu spüren. 2005 kamen über ein Zeitungsinserat 40 Seniorinnen und Senioren zusammen, um Theater zu spielen. Der Begriff Seniorentheater war der Gruppe zu einschränkend, erklärt die Leiterin Gertraud Kopp der TT, und so einigte man sich auf Generationentheater. Die Gruppe entschloss sich bald, auf Aufführungen hinzuarbeiten. Mit zahlendem Publikum, versteht sich. Profitiert haben die „engagierten Amateure“ wie sie sich nennen, dabei auch von der Zusammenarbeit mit Theaterprofis, sei es in den Fächern Regie, Dramaturgie und Bühnenbild. Mittlerweile hat sich die Gruppe für jüngere Mimen geöffnet. „Ich habe begonnen, meinen Kalender nach dem Theater zu richten“, erzählt Gudrun Obitzhofer. Derzeit schlüpft sie in die Rolle von „Trygaios“ und ist wie Karin Schebesta, die sich gerade in „Fortuna“ verwandelt, von Anfang an mit dabei. Sie hätten mittlerweile Routine bekommen, Texte zu lernen. Auswendiglernen beuge der Demenz vor, lachen die beiden. Schebesta legt nach: „Wenn ich in der Nacht aufwache, fange ich an, den Text aufzusagen.“ Doch Spaß beiseite, das Theater habe Freundschaften gebracht, selbstsicheres Auftreten gefördert und sie seien hellhörig geworden gegenüber dem Tagesgeschehen.
Regisseur Marc Pommerening kennt die Gruppe seit fünf Jahren. Er pflegt mit den Laien die Vereinbarung, dass er klar ausspricht, was das Stück verlangt: „Dann schauen wir, wie weit wir kommen“. Die Proben sind komprimiert, „ja fast guerillaartig“, erläutert der Berliner Autor, dessen Stücke „Die Nibelungen“ und „Gottes Guerilla“ über Andreas Hofer zuletzt in Innsbruck zu sehen waren. Zwei Fragen gab es für ihn bei „Krisis“ zu knacken: Wie spielt man heute Aristophanes, ohne ins Kabarettistische zu fallen und dafür den märchenhaften Charme zu zeigen? Und wie verbindet sich der Stoff aus dem 5. Jahrhundert vor Christus mit dem Heute? Die Antwort bringt die Premiere, wenn ein Mistkäfer zum Geldgott auf den Olymp fliegt und bittet, den Reichtum gerechter zu verteilen. (sst)
aktualisiert: Sa, 21.01.2012 01:01



