Liebe, Durst und Langeweile
Innsbruck - Der Beifall hätte lauter sein können - und länger. Doch nach knapp dreieinhalb Stunden Tschechow war den Premierenbesuchern von „Platonow“ am Samstagabend offenbar der Elan zum Klatschen ausgegangen. Schade - denn unter der Regie von Mona Kraushaar, die am Landestheater zuletzt mit Shakespeares „Sommernachtstraum“ gepunktet hatte, liefen die Schauspieler zu Höchstform auf.
Allen voran Gastmimin Marlène Meyer-Dunker, die als lustig-frivole Generalswitwe Anna Petrowna Wojnizewa nicht nur dem trinkfesten und um keinen bitterbösen Kommentar verlegenen Dorflehrer Platonow den Kopf verdrehte. Dem gescheiterten Intellektuellen, der in der russischen Provinz Wodka bechert anstatt - wie einst erträumt - in der großen Welt Großes zu tun, verleiht indes ein entfesselter Frank Roeder ein Profil, das zwischen Don Juan und Schlappschwanz pendelt. Seine Frau Sascha (Sarah Jeanne Babits), die er für ein dummes Gänschen hält, betrügt er, wo und mit wem es geht.
Kein Wunder, dass da in rauen Mengen Tränen fließen - ganz zu schweigen vom Wodka, der den orientierungslosen Haufen auf Schritt und Tritt begleitet. Und immer tiefer ins Verderben lotst.
Naja, zumindest ist auf dem Gutshof endlich mal was los - die Langeweile war ja nicht mehr auszuhalten. Eingebettet ist der Tschechow-Stoff, in dem sich in gewohnter Manier Komik an Tragik schmiegt, in ein von Ventilatoren und Tier-Trophäen geschmücktes Bühnembild (Katrin Kersten), das an eine edle Bahnhofshalle gemahnt und in dem alle Schauspieler die gesamte Spielzeit präsent sind. Herausstechend agieren Harald Windisch, Michel Heil, Gerhard Kasal und Heinz Fitz.
Die ausführliche Kritik von Christiane Fasching können Sie in der Montagsausgabe der Tiroler Tageszeitung lesen ... (tt.com)
aktualisiert: So, 15.01.2012 06:47



