18.01.2012
Tirol

SPÖ, Grüne entrüstet über Kultur-„Zensur“

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Innsbruck – Scharfe Kritik erntet Landesrätin Beate Palfrader nach der Ablehnung zweier Kulturprojekte durch die Kulturabteilung des Landes. „Zensur sieht genau so aus“, kommentierte SP-Kultursprecherin Lisa Jenewein dieses Vorgehen gestern Dienstag in einer Aussendung. „Dass sich das Land über die Entscheidung einer unabhängigen Fachjury hinwegsetzt, die transparent und fair abgelaufen ist, ist ein Affront sondergleichen und kann nur mit ideologischen Vorbehalten erklärt werden“, kritisiert die Innsbrucker SP-Gemeinderätin Angela Eberl.

Wie berichtet, handelt es sich bei den abgelehnten Vorhaben um Einreichungen bei den TKI open, einer Kulturförderschiene des Landes. Die Tiroler Kulturinitiativen (TKI), vom Land mit der Abwicklung der TKI open beauftragt, bestellen für die Auswahl der Projekte eine jährlich wechselnde Jury, die die Einreichungen in einer öffentlichen Sitzung diskutiert. Erstmals im zehnjährigen Bestehen der TKI open hat das Land den Juryvorschlag nun nur teilweise angenommen: Die Förderung von Oliver Resslers Projekt „Wahlen sind Betrug“ und „Alpenländische Studien“ von Tal Adler wurde „nach nochmaliger eingehender Prüfung“, wie es in einem E-Mail an die Projekteinreicher hieß, abgelehnt. Deren Bitte um eine schriftliche Begründung wollte das Land bisher nicht nachkommen – man verwies auf ein Gespräch mit Vertretern der TKI, in dem über Resslers Projekt gesagt worden sein soll, es sei „inhaltlich falsch“. Was die „Alpenländischen Studien“ betrifft, war man der Meinung, die NS-Geschichte in Tirol sei „hinlänglich aufgearbeitet“.

Palfrader führe sich wie „eine landschaftliche Kunstrichterin“ auf, empört sich der Grüne Landtagsabgeordnete Gebi Mair. „Zuerst eine unabhängige Jury für die Förderungsvergabe zulassen und dann geschmäcklerisch entscheiden, was gefällt und was nicht“, stehe „exemplarisch für das selbstherrliche Kulturverständnis der aktuellen Landesregierung.

Als „demokratiepolitisch untragbar“ bezeichnen die Jurymitglieder Martin Krenn, Hans Oberlechner und Gerlinde Schmierer das Vorgehen – und erhalten Schützenhilfe von der SPÖ: Es sei „an der Zeit, für ein Wiedererstarken der demokratischen Mechanismen in unserer Gesellschaft einzustehen“, wenn „die Kunst- und Kulturschaffenden der Zensur zum Opfer fallen“, so SP-Kultursprecherin Jenewein. (jel)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mi, 18.01.2012
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