Luftiger Laufsteg mit 360-Grad-Panoramablick
Von Edith Schlocker
Mayrhofen – Das zentrale Kriterium für die Zuerkennung eines ZV-Bauherrenpreises ist „der konzeptionelle Beitrag der Architektur im Hinblick auf Gegenwart und Zukunft, lokale und überregionale Bedeutung der Bauaufgabe“. Für die Juroren des im vergangenen November vergebenen renommierten Preises erfüllte allein eines der eingereichten Tiroler Projekte diese Vorgaben: Antonius Lanzingers für die Mayrhofener Bergbahnen geplanter Freiraum Ahorn. Ist der 70 Meter lange und acht Meter breite schwebende Baukörper aus dunkelgrau eingefärbtem Sichtbeton doch so völlig anders als die üblichen touristisch genutzten Architekturen – und das nicht nur im Zillertal. Weshalb die Jury, indem sie den Mut der Bauherren belohnt, auch die Hoffnung verbindet, „so möglicherweise eine Initialzündung zur Steigerung der Baukultur“ einzuleiten.
Der Freiraum Ahorn steht direkt neben der Bergstation der Ahornbahn, die, genauso wie das kleine turmartige Technikgebäude dahinter und das aus Natursteinen gebaute Haus für die Achter-Sesselbahn ebenso wie die Talstation von Antonius Lanzinger entworfen worden sind. Vorerst komplettieren wird das Ensemble ein Verwaltungsgebäude, das direkt neben der Talstation entstehen soll: gebaut als Holzhaus in traditioneller Blockbauweise.
Dass „alles aus einem Guss“ ist, ist dem Architekten sehr wichtig. Nicht nur formal. Und so ist der Freiraum schwellenlos nach dem Ausstieg aus der Schwebebahn betretbar, um sich hier vielleicht ein Paar Skier auszuleihen oder im eigentlichen Freiraum das wunderbare 360°-Panorama zu genießen – sieht man vom gastronomisch genutzten Riesenstadl in der Nachbarschaft ab.
Möglich wird dies durch eine nahezu lückenlose Rundumverglasung des wie ein Laufsteg vom Berg in das Tal angelegten Baukörpers. Luftig aufgeständert auf einen durchlässigen Unterbau, der zu 85 Prozent in den Hang eingegraben bzw. aus dem Felsen gesprengt worden ist. Und in dem Personalräume bzw. die für den Betrieb einer Bergbahn notwenige technische Logistik untergebracht sind.
Momentan hat der Freiraum Ahorn noch keine konkrete Nutzung. Jeder kann ihn benutzen, hier sich etwas zum Trinken bestellen bzw. sich am Brunnen selbst bedienen oder auch einfach nur chillen und die Aussicht genießen. Durch Trennwände ist der Raum flexibel teilbar und auf diese Weise vielfältig nutzbar. Auch eingerichtet wurde der Freiraum Ahorn von Antonius Lanzinger. Natürlich nicht als rustikaler Stadl, sondern als fast noble Lounge mit ihrem in Fischgrätenmuster verlegtem Parkettboden, gemütlichen Fauteuils und schnörkellosen Stühlen und Tischen aus Vollholz. Ein offener Kamin sorgt für Atmosphäre, die die Längsseiten flankierenden hölzernen Bänke unterstreichen effektvoll die Radikalität des Gebäudes.



