Der Maler geht fotografieren
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Mit der Wand „verwachsen“: Obholzers „Vertikales Panorama (gefüllt)“.
Foto: stadtgalerie schwaz
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Von Ivona Jelcic
Schwaz – Im Alter von nur 54 Jahren ist Walter Obholzer im September 2008 in Wien gestorben, kurz darauf widmete ihm das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum eine kleine Gedenkausstellung mit Werken aus den eigenen Beständen. Darüber hinaus war und ist es hierzulande relativ still um den gebürtigen Ebbser, der ab den 1980er Jahren auch internationale Beachtung als einer der frühen Vertreter einer konzeptuellen Malerei in Österreich fand. Ein Grund mehr für Eva Maria Stadler, mit Obholzer ihren Einstand als neue Kuratorin der Stadtgalerie Schwaz zu geben, wo die Frage der Produktionsbedingungen in der Kunst eine Art Leitfaden im Jahresprogramm 2012 darstellen soll.
Mit Obholzer gerät man direkt ans Hinterfragen des Mediums Malerei an sich, das er unter anderem in seinen „Vorphotographien“ auf seine Relevanz im Medienzeitalter hin untersuchte: Auf der Idee basierend, dass das ältere Medium der Malerei von der weitaus jüngeren Fotografie sozusagen „überholt“ wird, entstand etwa auch „Der Maler und das Modell“ als eine in verpönter Luftpinseltechnik zum Polaroid-Bild gemalte Reproduktion von Vermeers „Die Malkunst“, die nicht nur als Allegorie der Malerei schlechthin ein weites Feld an weiteren Reflexionsebenen bietet. Auch daran, dass Vermeer selbst vielfach mit dem Verfahren der Camera obscura gearbeitet hat, darf man gedanklich anknüpfen. Schließlich ist dem Gemälde bei Obholzer der Maler abhandengekommen – er musste vermutlich den Auslöser bedienen.
Schön nachvollziehen lässt sich in Schwaz die fortschreitende Auseinandersetzung mit Zeichen, Ornamenten und Emblemen, gemalt oft auf dünne Aluminiumtafeln, bei der Obholzer nicht weniger obsessiv war als beim „beamtischen“ Reproduzieren von vorgefundenen Motiven. In der Serie „Otaku“ (was auf Japanisch so viel heißt wie „leidenschaftliche Selbstbezüglichkeit“) entwickelte er abstrakte Kompositionen am Computer, die er, von Hand gemalt, immer wieder mit Kontrapunkten durchsetzte.
Als raffinierter Fallensteller entpuppt sich Obholzer auch mit seinem Anliegen, in der Malerei die Perfektion von digitalen Oberflächen zu erreichen, und Netzkultur und Kunst so zugleich in eine seltsame Beziehung zu setzen. In einer seiner letzten großen Ausstellungen in der Secession im Jahr 2000 zeigt Obholzer auch seine „vertikalen Panoramen“, die als zwischen Stuckleisten eingepasste, hochformatige Tafelbilder eine geradezu symbiotische Beziehung mit der Wand und damit auch dem White Cube des Ausstellungsraums eingehen.
Auch hierauf Serielles und Ornamentales, das eine Ahnung von den Wandmalereien der Renaissance aufkeimen lässt. Und dennoch denkbar eigensinnig im Spannungsfeld zwischen Raum, Bild und Wahrnehmungsverschiebung operiert.



