01.02.2012
Innsbruck

Eine Heimat für Holzmeisters Erbe

Universität Innsbruck erwirbt Teilnachlass von Clemens Holzmeister aus Familienbesitz.
Guido Holzmeister (M.) mit Rektor Tilmann Märk und Monika Knofler beim Sichten alter Dokumente aus dem Holzmeister-Nachlass. Foto: Murauer
Foto: TT / Thomas MURAUER

Innsbruck – Stattliche 97 Jahre alt ist Guido Holzmeister, die Erinnerung an seinen Vater, den Architekten Clemens Holzmeister, ist aber noch überaus wach: Selten könne man von einem Architekten so viel lernen wie von den Arbeiten seines Vaters, ist Guido Holzmeister überzeugt. Und hat sich nicht zuletzt deshalb entschlossen, die noch in Familienbesitz befindlichen Korrespondenzen, Fotodokumentationen, Zeichnungen und Pläne Clemens Holzmeisters an das Archiv für Baukunst der Uni Innsbruck zu übergeben. „Würden wir sie in Familienbesitz behalten, wären sie für die Lehre verloren“, so Guido Holzmeister, der einst vor Jahren wie schon sein Urgroßvater nach Brasilien ausgewandert ist, seinen Lebensabend nun aber in Tirol verbringt.

Die Universität Innsbruck sieht im Erwerb des Holzmeister-Nachlasses eine wichtige Ergänzung für das Archiv für Baukunst, wie Rektor Tilmann Märk erklärt: Das Material stelle „einen weiteren Glanzpunkt im Archiv für Baukunst“ dar, „das sich mit den großen Tiroler Architekten befasst“, so Märk. Der 1886 in Fulpmes geborene Clemens Holzmeister hat bis zu seinem Tod 1983 fast 800 Bauten und Projekte umgesetzt, darunter das Krematorium am Wiener Zentralfriedhof, das türkische Parlament, das Große Festspielhaus in Salzburg und eine ganze Reihe von Sakralbauten.

Ein großer Teil des Holzmeister-Nachlasses befindet sich in der Graphischen Sammlung der Wiener Albertina, das dortige Holzmeister-Archiv umfasst zahlreiche Skizzen und Zeichnungen des Architekten. Mit den Fotografien, der Diasammlung, dem Pressespiegel, den Kalendern, der Berufskorrespondenz, aber auch weiteren Zeichnungen und Plänen Holzmeisters, die nun aus Familienbesitz ins Innsbrucker Archiv für Baukunst wandern, werde sein „ganzer Lebensweg geschildert“, sagt Guido Holzmeister.

Mit eingefädelt hat den Nachlass-Erwerb Monika Knofler, Holzmeister-Expertin und Direktorin des Kupferstichkabinetts an der Akademie der Bildenden Künste am Schillerplatz. Auf Grundlage ihrer wissenschaftlichen Arbeit soll ein erweitertes Gesamtwerkverzeichnis erarbeitet werden, außerdem plant das Archiv für Baukunst eine Ausstellung auf Grundlage der Nachlassbearbeitung. (jel)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mi, 01.02.2012
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