Drei kristalline Findlinge auf die Wiese gelegt
![]()
Hans-Peter Machné mag keine rechten Winkel, wie sein in Abfaltersbach gebautes Gemeindezentrum eindrucksvoll vorführt.Foto: Paul Ott
Foto: Paul Ott
|
||
Von Edith Schlocker
Abfaltersbach – Der Innsbrucker Architekt mit Osttiroler Wurzeln, Hans-Peter Machné, hat 2009 den von der Dorferneuerung des Landes geladenen Wettbewerb zum Neubau des Gemeindezentrums von Abfaltersbach gewonnen. Mit einem Projekt, das aus einem Zentrum drei macht, die „wie Findlinge“ (Machné) mitten im Dorf auf einer großen Wiese liegen. Direkt an der Straße das Haus für die Gemeindeverwaltung, auf dem leicht ansteigenden Hang dahinter der Veranstaltungssaal bzw. Musikproberaum. Verbunden durch ein fragiles gläsernes Foyer, was eine innere Durchwegung des gesamten Gemeindezentrums möglich macht.
Indem Machné aus einem Haus drei gemacht hat, sprengt die entstandene neue Kubatur trotz ihrer beachtlichen Ausmaße in keinster Weise die heterogenen kleinteiligen räumlichen Strukturen des Dorfes. War dem Architekten das Sicheinlassen auf die vorhandene Maßstäblichkeit doch sehr wichtig, in Sachen Architektur hat er sich dagegen radikal von sämtlichen lokalen Bezügen verabschiedet.
Was auf einen ersten Blick auffallend ist: Hans-Peter Machné mag keine rechten Winkel. Was besonders beim Gemeindehaus auffällt, das ein aus unzähligen Dreiecken gepuzzelter polymorpher Körper ist. Gestellt auf einen mit glitzerndem Glassplitter bestreuten Platz. Was dem Architekten etwas leid tut, wäre ihm doch eine spiegelnde Wasserfläche lieber gewesen.
Das Skelett dieses reizvoll kristallinen Gebäudes besteht aus Stahlbeton, überzogen mit einer rauen Hülle aus braunen Betonplatten, aus deren statischen Null-Flächen die fast immer dreieckigen Fenster in einem grafisch raffinierten, freien Spiel geschnitten sind. Jedes davon ist anders, es gibt große und kleine und einige wenige haben sogar rechte Winkel.
Polygonal sind auch die „Findlinge“, in dem die Musikkapelle von Abfaltersbach probt bzw. wo größere örtliche Veranstaltungen stattfinden. Ihre „Häute“ differieren farblich leicht, lassen sich variabel zum großen Veranstaltungsplatz inklusive altem Holzpavillon öffnen.
So anorganisch spröd sich das neue Gemeindezentrum Abfaltersbach nach außen gibt, so leicht und hell ist es in seinem Inneren. So ist der für 200 Besucher ausgelegte, polygonal geformte große Mehrzwecksaal von großen Oberlichten erhellt und rundum mit Holz verkleidet. Einladend hell und voller raffinierter, durch die dreieckigen Fenster schräg „gerahmter“ Durch- und Ausblicke ist auch das Haus der Gemeindeverwaltung. Hinter riesigem Tor im Hang verschwinden dagegen die Räume für die Feuerwehr, die sehr funktionell und großzügig ausgefallen sind inklusive eines eigenen Proberaumes für die Florianijünger.



