„Gutes Schnitzel ist zu wenig“
Von Catharina Oblasser
Lienz – Eine Million Euro bot die Pirkner Real Estate GmbH für das alte Rathaus am Johannesplatz. Es wurde 1925 erbaut, fungierte bis 1978 als Sitz der Stadtverwaltung, später zum Teil als Städtische Galerie. Die zwei Obergeschoße stehen leer, im Erdgeschoß befindet sich seit 2004 das Gasthaus „Gösserbräu“. Die Entscheidung fiel dem Lienzer Gemeinderat nicht schwer. Bei einer Enthaltung (FPÖ) stimmte das Gremium fast geschlossen für den Verkauf des denkmalgeschützten Gebäudes an den Künstler Jos Pirkner und seinen Sohn Gidi, der eine Firma für Veranstaltungstechnik betreibt.
Mit dem Gebäude haben die Pirkners Großes vor, wie sie im Gespräch mit der TT erzählen. „In Lienz spielt sich kulturell schon seit längerer Zeit nichts mehr ab. Früher gab es wenigstens noch die Städtische Galerie“, meint Jos, Maler und Bildhauer, der vor allem durch seine Kreationen für Didi Mateschitz‘ Red-Bull-Imperium bekannt wurde. Für eine Stadt dieser Größe sei das nicht tragbar, meint der Künstler. „Ein gutes Schnitzel allein ist zu wenig. Man muss den Menschen auch kulturelle Nahrung bieten.“ Genau das haben Vater und Sohn im alten Rathaus vor. „Die Lage ist wirklich einmalig. Wenn man aus dem Fenster schaut, sieht man bis über den Hauptplatz hinunter“, schwärmt Gidi. Auch die Verbindung mit dem bestehenden Gasthaus im Parterre sei ideal, meint er. Als Nächstes stehen genaue Erhebungen an, was alles zu sanieren ist. Denn der erste und zweite Stock stehen seit Jahren leer, und der Denkmalschutz hat auch ein Wort mitzureden. Doch dann soll es losgehen. „Wir planen einen Galeriebetrieb und zusätzlich Lesungen, Konzerte oder Kabarett“, schildern die frischgebackenen Hausbesitzer. Über allem steht das Motto „Klein, aber fein“. Statt Rockmusik und Remmidemmi sind stilvolle Veranstaltungen angesagt, wie etwa Jazzkonzerte. In der Galerie will Jos eigene Werke ausstellen, aber auch andere namhafte Künstler nach Lienz locken. Gute Kontakte in der Szene sollen das möglich machen. Die Qualität der gezeigten Werke liegt dem Meister besonders am Herzen. „Nicht jeder wird dort ausstellen können“, stellt er klar.
Wann die Umbauarbeiten beginnen, ist noch nicht fix. „Wir müssen das Gebäude erst genau anschauen“, sagt Gidi. Zusätzlich zur Million, die der bloße Kauf kostete, wird die Pirkner Real Estate GmbH noch so einiges in Sanierung und Umbau stecken müssen. Was die Finanzen betrifft, will Jos jedoch eines gleich klarstellen: „Dieses Projekt hat mit Red Bull nichts zu tun. Das ist rein unsere Sache. Alles andere ist Blödsinn.“
Der lukrative Verkauf der städtischen Immobilie brachte im Lienzer Gemeinderat ein ähnliches Thema zur Sprache: die Tammerburg, die bereits im Jahr 1242 Sitz des Stadtrichters war. Sie ist, sanierungstechnisch gesehen, ein Fass ohne Boden. „Die können wir auch gleich verkaufen“, meinte Vize-BM Meinhard Pargger (VP).



