Erstes Adieu mit Schuberts Poesie
Innsbruck – 27 Jahre lang saß die blonde Dame am ersten Konzertmeisterpult des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck, jetzt nimmt sie langsam Abschied. Ende August beginnt Dorothea Sesslers Zeit des Ruhestands, die so ruhig nicht werden wird, denn Konzerte, Workshops und Meisterklassen sind international vorgemerkt.
Die letzte der begehrten Sonntagsmatineen des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck im Konservatoriumssaal war mit „Au revoir!“ überschrieben: Dorothea Sesslers Abschiedsgruß als Kammermusikerin. Sie hatte sich dafür Franz Schuberts Oktett in F-Dur, D 803, gewünscht. Es wurde mit Boris Pavlovsky (2. Violine), Alexandre Chochlov (Viola), Lucia Tenan (Violoncello), Albrecht Lippmann (Kontrabaß), Peter Rabl (Klarinette), Daniele Muleri (Fagott) und Amit Salomon (Horn) eine klangintensive, konzentrierte und fein durchgehörte Aufführung zwischen Idyll und Aufbegehren, bei der sich niemand in den Vordergrund spielte, gerade auch nicht Sesslers wie immer schlank, kantabel und dennoch virtuos geführter erster Violinpart.
Sessler, aus der Schweiz stammend und in Saarbrücken aufgewachsen, studierte in Berlin, Bern und Basel u. a. bei Michel Schwalbé und Max Rostal. Sie war u. a. Mitglied des Berner Klaviertrios, spielte solistisch und in Orchestern, bevor sie 1985 1. Konzertmeisterin des TSOI wurde. Sie leitete diverse Ensembles und gastierte im Ausland. Ein Duoprogramm führte sie auf bislang vier Tourneen nach China.
Dorothea Sessler wird Solistin im Juni-Symphoniekonzert des TSOI sein. Das Publikum der Matinee bereitete ihr Standing Ovations. (u.st.)



