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Passionsspiele Erl

Erl ist bereit für eine liebevolle Leidensgeschichte

Zum 400-Jahr-Jubiläum der Passionsspiele Erl hat Felix Mitterer den Traditionsstoff erneuert. Regisseur Markus Plattner freut‘s, die Erler auch.

Erl – Felix Mitterer sieht himmlisch entspannt aus, als er am Mittwoch unter Kamerabeobachtung und Blitzlicht-Gewitterchen über die Erler Jubiläumspassion berichtet, deren textliche Grundlage aus seiner Feder stammt. Im November 2010 sah das noch anders aus – da steckte der Dramatiker mittendrin in der Schreibarbeit. Und war sich nicht ganz sicher, ob das Ergebnis bei der traditionsbewussten Dorfgemeinschaft auch ankommen würde. Die erste Fassung löste dann auch etwas „Beunruhigung“ aus, wie Mitterer rückblickend erzählt. „Ich hab‘ geschrieben, wie‘s mir war – aber bei diesem Projekt müssen alle dahinterstehen“, zeigt sich der Volksdichter heute einsichtig. Also wurden einige Abstriche gemacht, der Text sei aber trotzdem „spannend“ geblieben, betont der Autor, der sich der Schwierigkeit dieser Herausforderung bewusst ist.

Mitterer: „Viele Passionsspiele sind unglaublich fad, weil den Text jeder Halbwegs-Christ ja ohnedies kennt.“ Fad soll Mitterers Version nicht werden – will er doch keine „sprechenden Abziehbilder“ auf die Bühne bringen, sondern echte Menschen. Jesus soll genauso greifbar werden wie Judas, den der bald 65-Jährige als „spannende Figur“ deutet, die er entlasten will. Überarbeitet hat Mitterer auch die Rolle der Frauen, die er mehr in den Vordergrund rücken will, „dorthin, wo sie die Kirche bis heute nicht hinlässt“, wie er betont. Regisseur Markus Plattner, der gerade knietief in den Probenarbeiten steckt, ist begeistert vom neuen Ansatz der Passion, die am 26. Mai Premiere feiert – und in seinen Augen „vor Liebe nur so strotzt“. Sein Job wiederum strotzt nur so vor logistischen Herausforderungen – 600 Mitspieler muss man erst einmal in den Griff bekommen. Doch vorerst läuft beim Mammutprojekt, das bis 5. Oktober 33-mal im Passionsspielhaus aufgeführt wird, alles nach Plan. „Weil hier alle an einem Strang ziehen“, schwärmt der euphorisierte Plattner.

Auch Hans Dresch, der Obmann der Passionsspiele, ist guter Dinge – der Vorverkauf läuft nämlich blendend. 32.570 von 49.500 erhältlichen Karten wurden bereits reserviert. Die Leidensgeschichte Jesu, die seit 1613 in der 1450-Seelen-Gemeinde aufgeführt wird, ist nach wie vor ein Zuschauerhit. Die knapp vierstündige Aufführung lockt auch internationales Publikum nach Erl – und damit dieses nicht den Faden verliert, werden heuer erstmals ein englisches Textbuch und eine englische Szenenerläuterung per Kopfhörer angeboten. Erarbeitet wurde die Übersetzung von Erler Hauptschülern, die unter fachkundiger Betreuung an Mitterers Text feilten.

Und noch eine Neuerung gibt‘s zu vermelden: Von 31. Mai bis 2. Juni wird Erl zum Austragungsort der „Europassion“, bei der sich Vertreter der 93 Passionsspielorte Europas treffen – um über Gott und die Welt zu sprechen. (fach)