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Interview

Halb Blech, halb Holz: Tiroler Franz Hackl entwickelt neue Trompete

Der sogenannte Hybrass soll die Klangeigenschaften von Blech- und Holzblasinstrumenten verbinden. Das erste Österreich-Konzert des Tiroler Jazztrompeters Franz Hackl mit dem neuen Instrument soll im Juli über die Bühne gehen.

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Schwaz – Franz Hackl gehört zur raren Kategorie der österreichischen Jazztrompeter von Weltrang. Zwei Drittel des Jahres lebt der gebürtige Tiroler als Musiker, Komponist und Studioinhaber in New York. Seit zwei Jahrzehnten organisiert er überdies das Outreach Jazzfestival in Schwaz und hat mittlerweile die Instrumentenmanufaktur von seinem Vater übernommen. Nun hat er als Weltneuheit eine Trompete entwickelt, die zur Hälfte aus Holz besteht. Dieses Hybrasstrompete genannte Instrument wird nun gemeinsam mit der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien genauer erforscht. Mit der APA sprach Hackl über die Vorteile der Hybrasstrompete und seine eigene Verwunderung, dass vor ihm noch niemand auf die Idee gekommen ist.

Sie haben eine „Hybrasstrompete“ entwickelt. Was ist das Neuartige an dem Instrument?

Franz Hackl: Das Besondere der Hybrasstrompete ist, dass sie nur zur Hälfte aus Blech und zur anderen Hälfte aus Edelhölzern besteht. Das ist wirklich etwas Revolutionäres: So können wir die besten Eigenschaften von Blech- und Holzblasinstrumenten verbinden.

Was bedeutet konkret der Vorteil dieser Verbindung zweier Welten?

Hackl: Je mehr eine Trompete selbst nicht schwingt, desto mehr kommt die Luftsäule im Inneren ins Schwingen. Das ist wie bei einer Box - je stärker das Gehäuse, desto mehr kann die Membran schwingen. Und da habe ich mit einer Hybrasstrompete viel mehr Variationsmöglichkeiten, um verschiedene Klangeigenschaften zu erzeugen, denn eigentlich ist Metall ja ein totes Material - im Gegensatz zum Holz. Das liegt auch besser in der Hand. Holz ist einfach sympathischer. Und wenn sich ein Trompeter wohler fühlt, dann spielt er auch besser.

Der Klang an sich verändert sich nicht?

Hackl: Der Ton trägt anders. Der Trompeter ist ja der Einzige, der hinter dem Instrument steht - er hört sich also immer anders als das Publikum. Das Holz hilft, dass es zwischen den beiden Klängen nicht mehr eine solch große Diskrepanz gibt. Und in der extremen Höhe leise einzusetzen - eine Angstdisziplin vieler Trompete - das geht mit einem Holzmundrohr irrsinnig leicht. Die Hybrass ist nicht leichter als eine herkömmliche Trompete, aber man erzielt mit dem gleichen Gewicht eine größere Wirkung.

Wie sind Sie auf die Idee für das Instrument gekommen?

Hackl: Durch eine Blasinstrumentenanalyse am Institut für Wiener Klangstil als Teil der Universität für Musik und darstellende Kunst. Da kann man Intonation und Blaswiderstand ausmessen und hat festgestellt, dass 96 Prozent der Energie in der Mittellage im Instrument bleiben und nur vier Prozent nach außen gehen. Dadurch hat sich mein ganzer Zugang zum Instrument vor knapp zwei Jahren verändert.

Zugleich ist es doch erstaunlich, dass noch niemand vor Ihnen versucht hat, eine Trompete mit Holzelementen zu bauen, zumal Holz ja nicht das ungewöhnlichste Material für Instrumentenbauer ist...

Hackl: Ich wundere mich auch. Es gab in den 1930ern offensichtlich Versuche, eine Trompete ganz aus Holz zu bauen, aber das funktioniert nicht.

Wie sieht Ihr Zeitplan aus?

Hackl: Noch im ersten Quartal soll die Trompete in einem ersten Schritt in Kleinserie veröffentlicht werden. In einer nächsten Phase wollen wir dann mit dem Institut für Klangstil ein Forschungsprojekt dazu machen.

Ist die Hybrasstrompete teurer als herkömmliche Instrumente?

Hackl: Sie liegt zwischen 5.400 und 6.000 Euro inklusive individueller Anpassung und ist damit nicht viel teurer als bisherige Trompeten. Die geht sicher - so gut kenne ich die Trompeter.

Spielen Sie selbst schon eine Hybrass?

Hackl: Noch nicht, aber sobald wir in Produktion gehen. Am 4. Juli werde ich das erste Mal mit ihr in Österreich zu hören sein, wenn ich in der Innsbrucker Dogana gemeinsam mit Cembalo und Blockflöten Beatles-Lieder spiele.

Das Gespräch führte Martin Fichter-Wöß/APA

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