Falsche Freunde und richtige Internetkultur
Die Parteichefs auf Facebook
HC Strache (FPÖ) freut sich mit knapp 106.000 „Likes“ über die meiste Zustimmung.
Werner Faymann (SPÖ): „Bundeskanzler Werner Faymann“ hat aktuell fast 6400 Fans.
Eva Glawischnig (Grüne): Ihre Facebook-Seite wurde von knapp 1900 per Klick geliked.
Josef Bucher (BZÖ): Seine Facebook-Seite gefällt 600.
Michael Spindelegger (ÖVP) ist nicht auf Facebook, seine Themen werden von der ÖVP-Seite (6400 Fans) verbreitet.
Von Cornelia Ritzer
Wien – „Ein erfolgreicher Web-2.0-Auftritt auf Kosten der Steuerzahler sieht anders aus.“ Das sagt ÖVP-Generalsekretär Johannes Rauch, der die Pannenserie der Internetkampagne von Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) naturgemäß kritisiert. Das sagen aber auch die mehr als 9700 Fans des Kanzler-Doubles Werner Failmann, der Faymanns Facebook-Aktivitäten auf die Schaufel nimmt.
Material zur Satire liefert der Kanzler 2.0 genug: Am Nationalfeiertag begrüßte er mit dem Posting „Herzlich willkommen auf meiner Facebook-Seite!“. Danach folgte Kritik an den Entwicklungskosten für den Online-Auftritt von knapp unter 99.000 Euro, Häme über das neunköpfige Team, das postet und twittert. Und Pannen wie angeblich falsche Facebook-Freunde, die kein oder ein gekauftes Profilbild und oft nur ein Interesse haben: die Arbeit des SPÖ-Politikers zu loben. Aus dessen Parteizentrale folgte das Dementi, dass diese Profile angelegt wurden, um die Stimmung dem Kanzler gegenüber zu verbessern. Und schließlich die Einsicht, dass es sich offenbar um gekaufte Fans handelt, „die uns irgendjemand unaufgefordert spendiert hat“, wie es auf Faymanns Pinnwand hieß. Zeit für seine Social-Media-Beauftragte, Fehler zuzugeben. „Wir sind die Sache sicher zu bürokratisch angegangen“, sagt Angelika Feigl in der Presse. Und verspricht, dass es Werner Faymann trotz der Fehler weiterhin auf Facebook geben wird.
Doch was hat der Bundeskanzler nun genau falsch gemacht? „Faymanns Problem sind nicht die vielen falschen Freunde auf Facebook, sondern die wenigen richtigen Freunde“, analysiert Social-Media-Experte Josef Barth. Er vermisst die überzeugten SPÖler, die unter ihrem Namen sagen, dass sie die Arbeit des Politikers gut finden. Eine Hürde war auch die enorme Erwartungshaltung, die geschürt wurde, sowie die Ankündigung, dass neun Mitarbeiter für den Twitter-Dienst zuständig sind. „Glatte Inszenierung an den Tag zu legen, funktioniert im Social Web nicht“, ist für Barth die Authentizität eine wichtige Grundregel für alle, die über soziale Plattformen kommunzieren wollen. Auch Transparenz sei wichtig. „Es ist durchaus O.K., seinen Account von anderen betreuen zu lassen“, sagt der Web-2.0-Experte, nur vortäuschen darf man das nicht. Als dritte Grundregel für richtiges Verhalten auf Facebook und Co. sieht Josef Barth die Empathie. Also darauf zu hören, was die Menschen zu sagen haben, auch auf Kritik einzugehen. Einen kleinen Vorteil im sozialen Netz haben Oppositionsparteien. „HC Strache spricht viele Dinge aus, er gibt einfache Antworten auf komplexe Fragen“, vermutet Barth, warum der FPÖ-Chef auf Facebook der Politiker mit den meisten Fans ist. Auch die Grünen könnten das gut für sich nutzen.
Politische Kommunikation im Netz muss aber nicht immer über die Spitzenpolitiker laufen, sondern kann auch über Themen funktionieren, so Barth weiter. So macht es etwa das Landwirtschaftsministerium, das mehrere Themenseiten betreibt, über die Politiker mitkommuniziert werden. So fällt es auch nicht negativ auf, dass ÖVP-Parteiobmann Michael Spindelegger keine eigene Seite auf der sozialen Plattform hat.
Viel wichtiger, als nur dabei zu sein, sind Inhalte, betont Josef Barth. „Das Problem vieler Politiker ist, dass man sieht, bei welcher Sitzung sie sind, aber nicht, was der Inhalt ist.“ Dabei sei es gerade das, was die Menschen interessiert – egal ob Facebook-Freund oder nicht.



