03.02.2012, 07:33  Aktualisiert: 03.02.2012, 13:04 
Atomstreit

Pentagon hält israelischen Angriff auf Iran für „sehr wahrscheinlich“

Bereits im Frühjahr könnte Israel laut US-Verteidigungsminister Leon Panetta einen Militärschlag gegen iranische Atomanlagen starten.
Eine Satellitenaufnahme der Atomanlage in Qom. Auch sie ist im Visier Israels, jedoch mit einem Luftangriff nur schwer auszuschalten.
Foto: EPA

Washington - Israel könnte nach einem Bericht der „Washington Post“ im Frühjahr einen militärischen Angriff auf iranische Atomanlagen starten. US-Verteidigungsminister Leon Panetta gehe davon aus, dass es eine „starke Wahrscheinlichkeit“ für eine solche Operation im April, Mai oder Juni gebe, berichtet das Blatt ohne konkrete Quelle in seiner Online-Ausgabe. Auch der TV-Sender CNN berichtete über ähnliche Befürchtungen Panettas.

Israel fürchte, dass Teheran bereits sehr bald über genügend angereichertes Uran verfüge, um eine Atombombe zu bauen - dann könnten nur noch die USA Iran militärisch stoppen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu wolle aber verhindern, „dass das Schicksal Israels vom amerikanischen Handeln abhängt“, schreibt die „Washington Post“. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, heißt es.

Begrenzter Militäreinsatz

Israel gehe davon aus, dass es sich um einen begrenzten Militäreinsatz handeln könnte. Den Plänen zufolge könnten die Atomanlage bei Natanz und andere unterirdische Anlagen das Ziel sein, hieß es. Die Anlage in Qom sei dagegen mit einem Luftangriff schwieriger auszuschalten. Weiter heißt es, für den Fall eines Angriffs rechne Israel mit iranischen Vergeltungsaktionen. Einer israelischen Quelle zufolge sei von 500 möglichen Opfern die Rede.

US-Präsident Barack Obama sowie Panetta versuchten seit längerem, Israel von einem Angriff abzuhalten, heißt es. Washington sei der Ansicht, ein Angriff werde die Sanktionspläne gefährden. Die USA gehen davon aus, dass die verschärften Sanktionen der internationalen Gemeinschaft das Regime in Teheran zunehmend unter Druck setzen.

Iran droht mit Vergeltung für Ölembargo

Der Iran wird nach den Worten seines geistlichen und politischen Oberhaupts Ayatollah Ali Khamenei dem internationalen Druck nicht nachgeben und an seinem Atomprogramm festhalten. Stattdessen drohte Khamenei am Freitag mit Vergeltung für die Sanktionen gegen die iranischen Ölexporte. Drohungen gegen den Iran würden den USA schaden, erklärte er in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache.

„Wir haben unsere eigenen Drohungen, die wir zu gegebener Zeit umsetzen können.“ Zugleich wandte er sich gegen Israel. Der Iran werde jedes Land und jede Gruppe unterstützen, die eine Konfrontation mit Israel suchten, erklärte Khamenei.

Angespannung groß

Seit Wochen steigen die Spannungen um das iranische Atomprogramm. Teheran hatte damit im Falle weiterer Sanktionen mit einer Blockade der Ölexporte durch den Persischen Golf gedroht. Darauf hatten die USA umgehend erklärt, sie würden eine solche Blockade nicht hinnehmen.

Seit Jahren gibt es immer wieder Spekulationen und Gerüchte über israelische Angriffspläne. Angeblich hatte bereits US-Präsident George W. Bush Israel von einem solchen Schritt abgehalten. Der Westen fürchtet, dass Teheran Atombomben bauen wolle, um gegen Israel vorzugehen. Dagegen betont Teheran immer wieder, die Atomprojekte dienten lediglich zur Energiegewinnung. (APA/dpa)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Fr, 03.02.2012  07:33
aktualisiert: Fr, 03.02.2012  13:04
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