07.05.2012, 14:08  Aktualisiert: 08.05.2012, 10:24 
Causa Buwog

Brisante Aussagen: Ex-Mitarbeiter wird für Grasser zur Belastung

War alles ein abgekartetes Spiel? Seit Jahren wird in der Causa Buwog - eine der größten Privatisierungen in Österreich – gegen Karl-Heinz Grasser und andere ermittelt. Ausgerechnet ein langjähriger Vertrauter des Ex-Finanzministers brachte neuen Schwung in das Verfahren. Nicht nur vor dem U-Ausschuss, sondern auch bei der Staatsanwaltschaft soll Heinrich Traumüller interessante Details „gebeichtet“ haben.
Heinrich Traumüller war Grassers Kabinettschef und in den Buwog-Verkaufsprozess involviert.
Foto: APA/HELMUT FOHRINGER

Wien - Spannung ist garantiert, wenn Karl-Heinz Grasser und sein Trauzeuge Walter Meischberger am Dienstag erneut vor dem U-Ausschuss aussagen müssen. Rund um den umstrittenen Buwog-Deal sind in den vergangenen Wochen überraschend viele neue Details ans Licht gekommen. Und diese bringen den Ex-Finanzminister und seine Freunde in Erklärungsnot. Ausgerechnet Grassers einstiger engster Mitarbeiter Heinrich Traumüller sorgte dafür, dass die Ermittler in dem schon seit fast zweieinhalb Jahre laufenden Strafverfahren wegen Untreue und Amtsmissbrauchs neue „Nahrung“ bekommen haben.

Grassers Ex-Kabinettschef Traumüller packte nämlich nicht nur vor knapp zwei Wochen vor dem U-Ausschuss aus, wo er den Ex-Finanzminister schwer belastet hat (siehe auch: http://go.tt.com/Jj33fj ). Seine Aussagen führten auch dazu, dass Traumüller seitdem zweimal von der Justiz einvernommen wurde – offenbar auf eigenen Wunsch. Dabei soll er Angaben gemacht haben, die den Verdacht erhärten, die Privatisierung der knapp 60.000 Bundeswohnungen sei ein abgekartetes Spiel mit strafrechtlicher Dimension gewesen. Doch damit nicht genug: Traumüllers Auskünfte seien von derartiger Brisanz, dass dieser Teil des Aktes umgehend zur Verschlusssache erklärt wurde, wie der „Kurier“ am Wochenende berichtete. Damit sind diese Unterlagen dem U-Ausschuss nicht zugänglich. Von „Details, die Anlass zu weiteren dringenden Erhebungen geben“ ist die Rede, zitierte der „Kurier“ einen internen Vermerk der Staatsanwaltschaft.

„Grasser wusste über Angebot Bescheid“

Grasser habe laut Traumüller während seiner Amtszeit sehr wohl in das Buwog-Bieterverfahren eingegriffen und sei vorab über die Höhe des Angebots des Mitbieters CA-Immo informiert gewesen sein. Der Finanzminister soll dann – so der Verdacht – das Verfahren so beeinflusst haben, dass letztlich ein Konsortium rund um die Immofinanz den Zuschlag erhielt. Grassers Freunde und spätere Geschäftspartner Walter Meischberger und Peter Hochegger brachte der Deal 9,9 Millionen Euro Erfolgsprovision.

Ihre „Leistung“: Sie gaben der Immofinanz den entscheidenden Tipp, wie viel man bieten musste, um das Angebot des ursprünglichen Bestbieters CA-Immo zu übertreffen. Der Verdacht: Sie könnten die geheime Insiderinformationen von Grasser bekommen haben. Ob auch Grasser bei der Millionenprovision mitgeschnitten hat, wird der U-Ausschuss am Dienstag wohl nicht klären können. Hier wartet die Justiz noch auf Unterlagen aus Liechtenstein. Grasser, für ihn gilt die Unschuldsvermutung, bestreitet selbst vehement, Geld bei der Buwog-Privatisierung kassiert zu haben.

Wieso telefonierte Grasser mit Meischberger und Plech?

Für die U-Ausschuss-Vorsitzende Gabriele Moser wird der „springende Punkt“ bei Grassers Befragung am Dienstag sein, weshalb sich der Ex-Minister selbst nach Auffliegen der Affäre noch mit Meischberger und Ex-Buwog-Aufsichtsratschef Ernst Karl Plech beraten hat: „Warum hält er mit Meischberger, mit Plech, die ihn in die größte Malaise seines Lebens bringen, permanent telefonisch Kontakt?“ Auch die Teilnahme an den Sitzungen bei Meischberger-Anwalt Gerald Toifl zur Besprechung der weiteren Vorgehensweise wäre wohl nicht nötig gewesen, „wenn alles so sauber ist“, sagt Moser.

Handypeilung

Zurück zu Traumüller: Nach seinen Aussagen vor dem U-Ausschuss am 26. April spielte sich ein menschliches Drama um den jahrelangen, loyalen Grasser-Mitarbeiter ab. Offenbar psychisch mitgenommen soll er im Anschluss an die Befragung - wie berichtet - verwirrt in der Wiener Innenstadt herumgeirrt und von besorgten Angehörigen zwischendurch sogar als abgängig gemeldet worden sein. Laut „Kurier“ wurde damals sogar der Generaldirektor für Öffentliche Sicherheit eingeschaltet.

Traumüller wurde schließlich per Handypeilung gefunden und nach einer Nacht in einem Wiener Spital soll er sich an die Staatsanwaltschaft gewandt haben. „Um eine Buwog-Lebensbeichte abzulegen“, so der „Kurier.“ (tt.com)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mo, 07.05.2012  14:08
aktualisiert: Di, 08.05.2012  10:24
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