Obamas riskantes Ja zur Homo-Ehe
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Sechs Monate vor der Präsidentschaftswahl bezog US-Präsident Barack Obama zu dem gesellschaftlich hochumstrittenen Thema Stellung.
Foto: AP
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Washington – Barack Obama hat sich als erster Präsident der Vereinigten Staaten offen dafür ausgesprochen, dass Schwule und Lesben heiraten dürfen. Seine Meinung zu diesem Thema habe sich im Laufe der Jahre „weiterentwickelt“, sagte der US-Präsident am Mittwoch in einem Interview im Fernsehsender ABC.
Bisher hatte sich der Präsident lediglich für eingetragene Partnerschaften von Schwulen und Lesben stark gemacht – zwar mit gleichen Rechten und Pflichten, wie sie traditionelle Ehen mit sich bringen, aber nicht als „Ehe“ definiert. Zugleich kritisierte der Präsident Bestrebungen auf staatlicher Ebene, Schwulen-Ehen gesetzlich zu verbieten. Sowohl Konservative als auch Liberale hatten das als einen „Wischiwaschi“-Kurs kritisiert, homosexuelle Gruppen äußerten sich enttäuscht über den Demokraten.
Am vergangenen Wochenende war dann der Druck auf Obama gewachsen, seine Position klarzustellen. Sein eigener Vizepräsident Joe Biden setzte ihn unter Zugzwang, indem er in einer TV-Talkshow sagte, dass er selbst überhaupt keine Probleme mit Homo-Ehen habe.
Riskantes Coming-Out
Obamas „Coming-Out“ dürfte zu einer noch stärkeren Polarisierung im Wahlkampf führen. Experten sprachen in ersten Reaktionen von einem riskanten Schritt des Präsidenten, sechs Monate vor der Wahl: Auch wenn sein Bekenntnis nur Symbolcharakter hat, könnte es wahlentscheidend sein. Denn das Thema spaltet die USA wie kein anderes, nicht selten wird es gar mit dem historischen Kampf gegen die Rassentrennung verglichen.
Im US-Bundesrecht ist die Ehe als „legaler Bund zwischen Mann und Frau“ festgeschrieben, allerdings können die Einzelstaaten in dieser Frage eigene Wege gehen. In 28 US-Bundesstaaten ist die gleichgeschlechtliche Ehe mit Volksabstimmungen untersagt und das Verbot in die jeweilige Verfassung verankert worden. Dagegen können Schwule und Lesben in sechs Bundesstaaten sowie der Hauptstadt Washington D.C. offiziell heiraten. In weiteren neun Bundesstaaten können Homosexuelle eingetragene Parterschaften unterschiedlicher Prägung schließen, die allerdings nicht der Ehe gleichgestellt sind.
Jetzt, wo Obama die gleichgeschlechtliche Ehe quasi über Nacht zum Top-Wahlkampfthema gemacht hat, werde er zwar wahrscheinlich junge Leute für sich gewinnen, vermuten Experten. Aber auf der anderen Seite könnte seine Haltung sozialkonservativen Gegnern neuen Antrieb und neue Energie geben.
Obamas wahrscheinlicher Herausforderer im Rennen um den Präsidentensessel, der Republikaner Mitt Romney, teilte umgehend mit, dass er die Homo-Ehe ablehne. „Ich glaube, eine Ehe ist eine Beziehung zwischen Mann und Frau“, sagte er nach Angaben des Senders CNN. Er sei vielmehr für sogenannte „häusliche Partnerschaften“ mit begrenzten Rechten für homosexuelle Paare.
Obamas Vorstoß mache eine ohnehin knappe Wahl noch knapper, vermutet ein Experte für Politik und Religion bei CNN. Ein anderer Fachmann meinte, der Präsident mobilisiere mit seinem Bekenntnis Demokraten und Republikaner gleichermaßen. Ein Kommentator des konservativen TV-Senders Fox News verkündete: „Der Präsident ist im 21. Jahrhundert angekommen“. An anderer Stelle warnte der Sender jedoch, Obama erkläre der Ehe den Krieg. Die New York Times schrieb, Obama habe in den Wahlkampf nun ein soziales Thema einbracht – und zwar eines der am heftigsten diskutierten. Der Präsident der Katholischen Liga, Bill Donohue, fasste die Ablehnung vieler konservativer Kreise in Worte: „Ein Kind braucht eine Mutter und einen Vater.“
Demografischer Wandel
Im Weißen Haus zeigt man sich hingegen überzeugt, dass der Präsident durch seinen Vorstoß mehr Stimmen gewinnen, als er verlieren wird.
Seine Frau Michelle teile seine persönliche Meinung, sagte Obama in dem Interview mit ABC. „Wir haben über die Jahre hinweg viel darüber gesprochen, und sie fühlt wie ich.“ Er zeigte sich auch überzeugt davon, dass im Laufe der Zeit immer weniger Amerikaner Probleme mit Homo-Ehen haben würden. Als Beispiel nannte er seine eigenen Töchter: „Malia und Sasha haben Freunde mit Eltern, die gleichgeschlechtliche Paare sind. Es hat Zeiten gegeben, da haben Michelle und ich beim Essen gesessen, und wir haben über ihre Freunde und deren Eltern gesprochen, und Sasha und Malia hätte es nicht im Entferntesten gedämmert, dass die Eltern ihrer Freunde irgendwie anders behandelt würden. Es macht keinen Sinn für sie.“
Dass sich die öffentliche Meinung in den USA zu diesem Thema in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt hat, zeigt auch eine am Dienstag veröffentlichte Gallup-Umfrage. Diese ergab, dass 50 Prozent der US-Amerikaner dafür sind, gleichgeschlechtliche Ehen rechtlich zu verankern. 48 Prozent sind dagegen. Im Jahr 2001 hatten sich noch 60 Prozent gegen gleichgeschlechtliche Ehen ausgesprochen.
Dass die Homo-Ehe dennoch weiterhin viele entschiedene Gegner hat, wurde erst diese Woche in North Carolina , das Obama bei der Wahl 2008 mit hauchdünnem Vorsprung gewann, deutlich: Mit schallender Mehrheit von 61 zu 39 Prozent erklärte der Südstaat die gleichgeschlechtliche Ehe per Volksabstimmung für verfassungswidrig. (ema/dpa/Reuters)
aktualisiert: Do, 10.05.2012 14:58

