23.05.2012, 07:04  Aktualisiert: 23.05.2012, 10:38 
International

Führungsstreit bei Linken - Frauen gehen in die Offensive

Nachdem Oskar Lafontaine den Weg frei gemacht hat, wird der Druck auf seinen Widersacher Dietmar Bartsch immer stärker.
Lafontaine mischt beim Führungsstreit der linken Parteispitze nicht mehr mit.
Foto: AP

Berlin – Nach dem Rückzug von Oskar Lafontaine geht der Führungsstreit bei der deutschen Linken in eine neue Runde. Thüringens Fraktionschef Bodo Ramelow legte Lafontaines Widersacher Dietmar Bartsch nahe, nun ebenfalls auf eine Kandidatur für den Parteivorsitz zu verzichten. Zugleich mehren sich die Stimmen für eine weibliche Doppelspitze. Bereits an diesem Mittwoch wollen die stellvertretende Parteichefin Katja Kipping und die nordrhein-westfälische Landesvorsitzende Katharina Schwabedissen gemeinsam ihren Hut in den Ring werfen.

Nach Angaben des Bundestagsabgeordneten Thomas Nord möchten die beiden als Führungsduo kandidieren. Prominente Linke-Politiker haben für den Mittag zu einer Pressekonferenz in Hannover eingeladen, zu der auch Schwabedissen und Kipping erwartet werden. Schwabedissen hat bereits ihr grundsätzliches Interesse an einer Kandidatur signalisiert. Kipping hatte letzte Woche einen neuen Personalvorschlag für den Fall angekündigt, dass es zu keiner einvernehmlichen Lösung zwischen Lafontaine und Bartsch kommen sollte.

Weitere Kandidaten für die neue Doppelspitze sind Bundestags-Fraktionsvize Bartsch und die sächsische Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann.

Lafontaine hatte am Dienstag seinen Verzicht auf eine Kandidatur für den Parteivorsitz erklärt, nachdem Bundestags-Fraktionschef Gregor Gysi ihm am Montag seine Unterstützung entzogen hatte. Lafontaine hatte sich nur unter der Bedingung zu einer Kandidatur bereiterklärt, dass kein anderer gegen ihn antritt. Vor allem Ost-Linke, die dem pragmatischen Flügel um Bartsch zuzurechnen sind, bezeichneten dieses Verhalten als undemokratisch.

Inzwischen wird der Ruf nach einer weiblichen Doppelspitze lauter. „Zwei Männer haben wir ja schon gehabt“, sagte Parteichef Klaus Ernst am Dienstagabend auf einer Regionalkonferenz in Berlin. Es müssten Frauen mit Ausstrahlung auch in die alten Bundesländer sein. Der stellvertretende saarländische Linke-Chef Heinz Bierbaum verlangte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa, Lafontaines Lebensgefährtin, die stellvertretende Parteivorsitzende Sahra Wagenknecht, müsse dabei eine zentrale Rolle spielen. (APA/dpa)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mi, 23.05.2012  07:04
aktualisiert: Mi, 23.05.2012  10:38
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