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Live-Updates zum Nahost-Konflikt

Terror in Tel Aviv erschüttert Bemühen um Waffenruhe

Die Bombe detonierte in einem Autobus, mehrere Menschen wurden teils schwer verletzt. In der Nacht hatte Israel erneut mehr als Hundert Ziele im Gazastreifen angegriffen.

Tel Aviv – Ein Bombenanschlag auf einen Bus in Tel Aviv hat am Mittwoch nach israelischen Medienberichten 21 Menschen verletzt und die Hoffnungen auf eine rasche Waffenruhe im Nahost-Konflikt gedämpft. „Das war ein terroristischer Anschlag“, sagte ein Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Die meisten Opfer hätten aber nur leichte Verletzungen durch die Bombe erlitten, die in dem Bus explodiert sei.

Das Attentat, das erste in Tel Aviv seit sechs Jahren, erschwert die ohnehin schon komplizierten Verhandlungen über eine Waffenruhe zwischen Israel und der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen. Nach ihren Gesprächen mit Netanjahu wollte US-Außenministerin Hillary Clinton am Nachmittag nach Kairo fliegen und sich dort gemeinsam mit Präsident Mohammed Mursi weiter um eine Lösung bemühen. Ägypten gilt als wichtigster Unterhändler in dem Konflikt. Über Nacht beschoss Israel mehr als 100 Ziele im Gazastreifen, während radikale Islamisten von dort aus 31 Raketen auf Israel abfeuerten.

Die Explosion nahe dem Verteidigungsministerium im Herzen Tel Avivs zerstörte die Fensterscheiben des Busses. Drei der Opfer erlitten nach Angaben der Sanitäter schwere Verletzungen. Polizisten durchkämmten die Umgebung auf der Suche nach dem Attentäter, der die Bombe in dem Fahrzeug deponierte. Der Bus wurde durch die Explosion nicht zerrissen, was auf einen relativ kleinen Sprengsatz hindeutet. „Wir haben keine Hinweise auf einen Selbstmordattentäter“, sagte der Polizei-Chef von Tel Aviv, Yoram Ohayon, einem Fernsehsender.

Verhandlungen zu Waffenruhe pulverisiert?

Der Anschlag in Tel Aviv erschwert die Verhandlungen über eine Waffenruhe in dem Konflikt, die gerade in einer entscheidenden Phase stecken. Ägyptische Geheimdienstler wollten am Mittwoch erneut mit Anführern der Hamas und der Gruppe Islamischer Jihad beraten, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus Palästinenser-Kreisen.

Grundlage einer möglichen Vereinbarung über ein Ende der Kämpfe sollte nach Informationen des israelischen Rundfunks sein, dass Vertreter Israels, Ägyptens und der USA die Waffenruhe überwachen. Wie es unter Berufung auf die Regierung in Jerusalem hieß, soll die Vereinbarung den Menschen im Süden Israels zumindest ein bis zwei Jahre Sicherheit vor Angriffen garantieren. (APA/Reuters/dpa/AFP)