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Nahost-Konflikt

Beide Seiten feiern Waffenruhe - Ruf nach Ende der Gaza-Blockade

Nach acht Tagen blutiger Gewalt herrscht seit Donnerstag im Nahen Osten zunächst Ruhe. Laut der Vereinbarung soll die Blockade des Gazastreifens nun deutlich gelockert werden.

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Kairo, Jerusalem - Der zwischen Israel und der Hamas vereinbarte Waffenstillstand scheint vorerst zu halten. In der Nacht auf Donnerstag wurden keine neue Angriffe gemeldet, auch am Vormittag blieb die Lage zunächst ruhig. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu kündigte an, er werde der Waffenruhe eine Chance geben. Gleichwohl drohte er für den Fall einer Missachtung mit einer erneuten Militäraktion. Der im Exil lebende Hamas-Führer Khaled Mashaal versicherte seinerseits, das Abkommen einzuhalten, solange das auch Israel tue.

Laut der von Ägypten vermittelten Einigung beenden beide Seiten ihre Angriffe. Israel verpflichtet sich, Vorstöße sowie Angriffe aus der Luft, vom Boden und von See aus zu unterlassen. Die militanten Palästinensergruppen müssen ihrerseits laut der Vereinbarung Angriffe mit Raketen und an der Grenze beenden. Die Grenzübergänge zum Gazastreifen sollten geöffnet werden und der Verkehr von Personen und Waren solle erleichtert werden, meldete der israelische Rundfunk.

Das Waffenstillstandsabkommen war nach gut einer Woche heftiger Kämpfe unter Vermittlung der ägyptischen Regierung zustande gekommen. Während der Auseinandersetzungen waren im Gazastreifen nach palästinensischen Angaben 162 Menschen getötet worden, darunter 37 Kinder. Nach Angaben der israelischen Armee gingen in den acht Tagen knapp 1400 Raketen auf Israel nieder. Dabei seien vier Zivilisten und ein Soldat getötet worden.

Beide Seiten sehen sich als Sieger

Beide Seiten feierten die Waffenruhe als Sieg über die jeweils andere Konfliktpartei. Die Hamas erklärte den 22. November zum Nationalfeiertag. „Wir haben dem zionistischen Feind (Israel) eine Lektion erteilt“, sagte der Chef der Hamas-Regierung, Ismail Haniya, am Mittwochabend vor Journalisten. Nun müsse Israel endlich die Grenzen öffnen, um den Palästinensern im Gazastreifen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.

Israels Verteidigungsminister Ehud Barak erklärte bei dem Gaza-Militäreinsatz alle Ziele erreicht zu haben. Israel habe den militanten Palästinenserorganisation einen harten Schlag versetzen und die Angriffe auf israelische Grenzorte unterbinden wollen, so Barak.

Im besetzten Westjordanland nahm die israelische Armee unterdessen 55 mutmaßliche palästinensische Extremisten fest. Unter den Verdächtigen befänden sich führende Köpfe verschiedener Palästinensergruppen, teilte das Militär weiter mit. Die Armee werde weiterhin alles daran setzen, um Angriffe von palästinensischen Terroristen auf israelische Städte zu verhindern. Am Mittwoch waren bei einem Bombenanschlag auf einen Bus in Tel Aviv mindestens 15 Menschen verletzt worden.

Arabische Liga drängt auf Ende der Gaza-Blockade

Nach dem Beginn der Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas-Bewegung drängen die arabischen Staaten nun auf ein Ende der Blockade des Gazastreifens. Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, betonte am Donnerstag in Kairo: „Es ist wichtig, dass nun auch der Artikel der Vereinbarung umgesetzt wird, in dem es um die Aufhebung der Gaza-Blockade geht.“

Die Araber sollten das Eisen schmieden, so lange es heiß sei, befand Al-Arabi. Der Moment sei nun auch günstig, um den sogenannten Nahost-Friedensprozess wieder in Gang zu bringen.

Ahmadinejad: Sieg für Palästinenser

Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad hat die Waffenruhe als einen Sieg des palästinensischen Widerstands und Offenbarung der Zerbrechlichkeit Israels bezeichnet. „Ein kleiner Ort wie Gaza hat sich gegen die Zionisten (Israel) gestellt und gesiegt“, sagte Ahmadinejad nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars am Donnerstag. „Dies ist eine weitere Offenbarung, wie schwach und zerbrechlich die Zionisten und ihre Verbündeten sind.“

Der iranische Präsident sprach in Islamabad, wo er an dem Gipfeltreffen der Staatengruppe D8 („Developing-Eight“) teilnimmt. Wenn alle Staaten in der Region zusammenhielten, werde Israel solche militärischen Abenteuer nicht mehr wagen, sagte er. Der Iran unterstützt die Hamas im Gazastreifen und hat der Organisation nach Angaben der Revolutionsgarden auch Technologie zum Bau der iranischen Rakete Fadj-5 geliefert. (APA/dpa)

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