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Letztes Update am AGT-APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe

UNO-Syrien-Gesandter rückt weiter von Assad ab

Der syrische Präsident werde nicht Teil einer Übergangsregierung werden, sagte Brahimi. Eine militärische Lösung des Konflikts gebe es nicht.

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Damaskus/Kairo – Der internationale Sondergesandte Lakhdar Brahimi ist deutlicher als bislang von Syriens Präsident Bashar al-Assad abgerückt. Assad werde nicht Teil einer Übergangsregierung für Syrien sein, sagte Brahimi am Mittwochabend in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters in Kairo. Brahimi nannte die Rede Assads vor wenigen Tagen kompromisslos und ausgrenzend.

Allerdings nahm er seine noch schärferen Äußerungen, Assads Rede sei sektiererisch, zurück. Er habe einen Fehler begangen, dies in einem BBC-Interview am Mittwoch gesagt zu haben, sagte der Gesandte von Vereinten Nationen und Arabischer Liga. Es habe sich um einen verbalen Ausrutscher gehandelt, für den er sich entschuldige, sagte Brahimi.

Brahimi betonte zugleich, der Genfer Friedensplan von vergangenem Jahr sei der einzige Weg für das vom Bürgerkrieg zerrissene Land. Eine „militärische Lösung“ gebe es nicht, betonte der Diplomat.

Brahimi hatte zuvor in seinem BBC-Interview erklärt, Assad solle dem Wunsch seines Volkes nach einem Wechsel nachkommen. „In Syrien sagen die Menschen, dass es zu lang ist, wenn eine Familie seit 40 Jahren herrscht“, sagte er. „Daher muss es einen wirklichen Wandel geben. Er muss echt sein, und ich denke, dass Präsident Assad als Erster eine Antwort auf den Wunsch seines Volkes geben könnte, statt sich ihm zu widersetzen.“ Damit war Brahimi weiter als je zuvor von Assad abgerückt. Die Opposition in Syrien begrüßte Brahimis Äußerungen als lange erwartete Kritik an dem Machthaber. Die Regierung in Damaskus reagierte zunächst nicht.

Brahimi hatte sich in der Vergangenheit sehr vorsichtig gezeigt und war stets bemüht, sich über Assads Zukunft nicht festzulegen. Damit hatte er die Kritik der Rebellen auf sich gezogen.

Nach UN-Schätzungen kamen in dem Konflikt bislang 60.000 Menschen ums Leben. Assad ist seit dem Tod seines Vaters Hafez al-Assad im Jahr 2000 an der Macht. (APA/Reuters)

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