11.02.2013
International

Das Kreuz der Kirche mit den Homosexuellen

Der Vatikan sieht in der Homo-Ehe einen Verstoß gegen die Schöpfungsordnung. Doch sein gesellschaftlicher Einfluss schwindet.
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Von Floo Weißmann

Berlin – Zu den erbittertsten Gegnern der Homo-Ehe gehört die katholische Amtskirche. Zu Weihnachten beklagte Papst Benedikt XVI. einen „Angriff auf die wahre Gestalt der Familie aus Vater, Mutter, Kind“. Die Kirche müsse „alles tun, um Überzeugung zu schaffen, die dann zu politischem Handeln werden kann“, forderte er vor den Spitzen des Vatikans.

Derzeit kampagnisiert die Kirche in Frankreich und in den USA gegen die Gleichstellung von Homosexuellen; doch bisher ist es ihr nirgendwo gelungen, die Entwicklung aufzuhalten. Der deutsche Theologe und Philosoph David Berger, der nach seinem Coming-out als Schwuler die kirchliche Lehrerlaubnis verlor, sprach gegenüber der Tiroler Tageszeitung von Rückzugsgefechten.

Die Kirche, erklärt Berger, beruft sich auf ein Naturrecht. Gott habe die Menschen als Mann und Frau erschaffen. Folglich dürften nur Mann und Frau miteinander Sex haben – und zwar ausschließlich zum Zweck der Fortpflanzung. Alles andere sei ein Verstoß gegen die Schöpfungsordnung. Weil Naturrecht und Schöpfung alle Menschen betreffen, fühlt sich die Kirche berufen, auch für Nicht-Katholiken zu sprechen.

Dazu kommen laut Berger psychologische und machtpolitische Aspekte. In der katholischen Kirche gebe es überproportional viele homosexuelle Geistliche. „Die Homophobie ist dort am stärksten, wo eigene Anteile nicht ausgelebt werden dürfen.“ Zugleich merke die Kirche, dass sie in Europa an Einfluss verliert – zunächst bei den Heterosexuellen, die das kirchliche Verhütungsverbot ignorieren, und jetzt auch durch die wachsende Akzeptanz von Homosexuellen. „Der Papst sieht das als letztes Gefecht um die Menschlichkeit.“

Die Niederlagen im Ringen um gesellschaftlichen Einfluss können dramatische Folgen haben. Berger beobachtet, dass die Amtskirche zunehmend den Dialog mit der Gesellschaft aufgibt und sich als Opfer sieht. Der Präfekt der Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig Müller, beklagte kürzlich eine „Pogromstimmung“ gegen die Kirche. „Das Bild der Zukunft ist leider, dass die Kirche nicht mehr als Volkskirche agiert, sondern im Stil einer fundamentalistischen Großsekte“, befürchtet Berger.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mo, 11.02.2013
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