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Jugendarbeitslosigkeit

Merkel: „Jeder junge Mensch sollte eine Chance bekommen“

Die Arbeitslosigkeit von Jugendlichen in Europa ist für die deutsche Kanzlerin eine der größten Herausforderungen der EU.

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Berlin – Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht in der hohen Jugendarbeitslosigkeit „eine der größten Sorgen in Europa“. Während die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland acht Prozent betrage, liege sie in 18 europäischen Ländern über 20 Prozent, sagte Merkel am Samstag in ihrem Video-Podcast. „Allerdings sind acht Prozent Jugendarbeitslosigkeit auch noch zu viel, und wir müssen daran arbeiten, dass auch das runter geht. Denn jeder junge Mensch sollte eigentlich eine Chance bekommen.“

Um das Problem in den Griff zu bekommen, seien schon im vergangenen Jahr EU-Mittel freigegeben worden, zum Beispiel für Zuschüsse zu Gehältern und anderen Beschäftigungsmaßnahmen. Zudem gebe es eine bessere Zusammenarbeit beim länderübergreifenden Arbeitsvermittlungsportal EURES und eine Reihe bilateraler Initiativen zwischen Deutschland, Griechenland, Spanien und Portugal.

Duale Ausbildung als Modell für Europa

Ein Modell für andere europäische Staaten könne die in Deutschland übliche duale Ausbildung in Betrieb und Schule sein. Das Ausbildungssystem erfreue sich „eines sehr großen Interesses und einer sehr großen Beliebtheit“, sagte die Kanzlerin. „Das Problem ist nur, man kann sie nur schrittweise einführen.“

Bei deutsch-spanischen und deutsch-portugiesischen Wirtschaftskonferenzen werde darauf hingewirkt, dass deutsche Unternehmen in diesen Ländern schrittweise die duale Berufsausbildung einführten. Das Problem der Jugendarbeitslosigkeit lasse sich aber „nicht von einem Tag auf den anderen allein durch das duale Berufsausbildungssystem bekämpfen“, räumte Merkel ein.

Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten bei ihren Verhandlungen über den Mehrjahreshaushalt auch eine auf sechs Milliarden Euro schwere Initiative zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit vereinbart. Die Mittel sollen in Regionen fließen, in denen die Jugendarbeitslosigkeit über 25 Prozent liegt.

Einheitlicher Arbeitsmarkt mit Hürden

Dass Deutschland, wie auch Österreich, mittel- und langfristig auf Zuwanderung angewiesen sein werden, hält Merkel für unausweichlich. „Ich glaube, dass wir in den nächsten Jahren nicht nur einen einheitlichen Binnenmarkt haben werden, auf dem die Güter hin und her gehandelt werden können, sondern in dem sich auch die Menschen freier bewegen können“, erklärte Merkel. Das heiße auch, dass sich Schritt für Schritt ein einheitlicher Arbeitsmarkt entwickeln werde. „Da gibt es zwei große Barrieren: Das eine ist die Sprache, das andere die Frage der Sozialsysteme.“

Alle in Europa sollten Englisch lernen. „Und wir müssen alles dafür tun, dass sich ein junger Mensch, wenn er einige Jahre vielleicht in Deutschland ist, dann wieder zurück nach Spanien oder Portugal geht, eben eine Rentenbiografie – wie man das fachlich sagt – aufbauen kann und dass die einzelnen Elemente zueinander passen.“ (tt.com, APA, AFP)

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