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Krisentreffen: EU berät am Mittwoch über den Pferdefleisch-Skandal

Die Behörden forschen weiterhin nach den Ursachen im Pferdefleisch-Skandal. Der britische Ernährungsminister Owen Paterson hat ein weiteres Krisentreffen mit Spitzenvertretern der Nahrungsmittelbranche einberufen. Die EU soll sich am Mittwoch in Brüssel mit dem Skandal beschäftigen.

Wien - Im Skandal um mit Pferdefleisch versetzte Rindfleisch-Produkte ist am Dienstag europaweit die Ursachenforschung weitergegangen. Der britische Ernährungsminister Owen Paterson hat ein weiteres Krisentreffen mit Spitzenvertretern der Nahrungsmittelbranche einberufen, um mögliche Schritte zu diskutieren. Am Mittwoch solle es ein Ministertreffen auf EU-Ebene geben.

In Deutschland weiteten viele Bundesländer ihre Tests auf Pferdefleischspuren in Rinderhack-Produkten aus. „Wir planen jetzt eine Schwerpunktaktion, um speziell Hamburger zu überprüfen“, kündigte Rico Schmidt, Sprecher der Verbraucherschutzbehörde in Hamburg an.

In Großbritannien und Irland waren in den vergangenen Wochen immer wieder als Rindfleisch deklarierte Burger und andere Hackfleischprodukte entdeckt worden, die Pferde- aber auch Schweinefleischanteile enthielten - in Einzelfällen bis zu 100 Prozent.

Verzehr von Pferdefleisch als gesellschaftliches Tabu

Zuletzt hatte die Supermarktkette Tesco in Spaghetti Bolognese Pferdefleisch entdeckt und das entsprechende Produkt aus dem Verkehr gezogen. Unter anderem wurde auch in britischen Haftanstalten schweinefleischhaltiges Essen an muslimische Gefangene verteilt.

Der Verzehr von Pferdefleisch gilt in Großbritannien und Irland als gesellschaftliches Tabu. Pferdefleisch zu essen, ist zwar nicht offiziell verboten. Es gibt aber anders als in Zentraleuropa keine Schlachter, die Pferdefleisch zu Wurst oder Fleischwaren verarbeiten.

Die Behörden vermuten inzwischen dass „kriminelle Machenschaften“ hinter dem Skandal stecken, wie der britische Ernährungsminister Owen Paterson sagte. Allerdings ist das Motiv völlig unklar. In britischen Medien wurde vermutet, dass mit Medikamenten behandelte Pferde in die Nahrungskette gelangt sein könnten. Die Lebensmittelbehörden in Großbritannien gehen aber weiter davon aus, dass keine gesundheitliche Gefährdung der Bevölkerung zu befürchten ist.

Ministertreffen auf EU-Ebene

Spekulationen zufolge könnte der Skandal von Rumänien ausgegangen sein. Die rumänische Regierung geht jedoch davon aus, dass es in dem Land keine Verstöße gegen irgendwelche EU-Regeln gegeben hat. Betroffen waren Produzenten in Frankreich. Mehrere Lebensmittelketten mussten Fleischprodukte aus dem Sortiment nehmen. Sie trennten sich zum Teil von Lieferanten.

Die EU soll sich am Mittwoch in Brüssel mit dem Skandal um falsch deklariertes Pferdefleisch beschäftigen. Zu einem entsprechenden Treffen werde der irische Landwirtschaftsminister Simon Coveney einladen, teilte die Regierung in Dublin mit. Coveney wolle bei dem Treffen mit EU-Verbraucherkommissar Tonio Borg und weiteren EU-Ministern die Auswirkungen der jüngsten Erkenntnisse über die Beimischung von Pferdefleisch besprechen. Außerdem werde der Skandal auch Thema beim nächsten EU-Agrarministerrat sein.

Stöger will lückenlose Datenbank

„Wir brauchen eine europaweite Datenbank, die den Weg vom Rohstoff zum Produkt lückenlos zeigt. Wir werden einen Brief mit dieser Forderung an die EU-Kommission schicken.“ Dies erklärte am Dienstag der österreichische Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ). Der aktuelle Fall zeige, wie wichtig die Rückverfolgbarkeit von Produkten in Europa sei.

Zunächst, so der Ressortchef, müsste der Betrugsskandal vollständig aufgeklärt werden. Das europaweite Alarmierungs- und Berichtssystem habe sich gut bewährt. Trotzdem habe man in Österreich eine Schwerpunktaktion gestartete, um vor allem Fertigprodukte mit Rindfleisch vermehrt zu testen.

Die lückenlose Datenbank sei notwendig, um auf einen Blick den Weg vom Rohstoff bis zum Produkt bei Lebensmitteln erkennen zu können, betonte der Minister. Bisher sind diese Informationen jeweils nur in Teilschritten recherchierbar. Druck auf EU-Ebene für eine exakte Herkunftskennzeichnung bei verarbeiteten Produkten sei wichtig. (APA/dpa)