WDHLG-PORTRÄT-Röttgen im Aus - Der „Klügste“ vor Merkels Tür
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(Wiederholung vom Vortag)
- von Markus Wacket
Berlin, 16. Mai (Reuters) - Ziemlich genau ein Jahr liegt zwischen Gipfel und Tiefpunkt seiner Karriere: Die Atomkatastrophe von Fukushima war der Startpunkt für den Höhenflug von Norbert Röttgen. Im Zuge der Atomwende setzte er sich gegen die Wirtschaftpolitiker der eigenen Fraktion durch und wurde zum Treiber eines Kurswechsels seiner Partei nicht nur hin zum Ökostrom. Er galt auch als Protagonist einer Annäherung an die Grünen. Mehr noch: Er reihte sich als stellvertretender CDU-Vorsitzender ein in die kurze Liste derer, die Kanzlerin Angela Merkel einmal folgen könnte.
Doch auf diesem Weg nach oben schuf sich der 46-jährige Jurist noch mehr Feinde als üblich in der Politik. Weniger seine politischen Positionen als sein von vielen als hochnäsig und besserwisserisch empfundene Umgang selbst mit Vertrauten machte viele Rechnungen auf, die beglichen werden mussten. Dass er nicht als Oppositionsführer nach Nordrhein-Westfalen wollte passte für sie ins Bild des abgehobenen Politik-Philosophen, der auf welcher Position auch immer den Eindruck vermittelte, er sei ohnehin auf dem verdienten Sprung zur nächsthöheren Aufgabe.
Sein unvermeidliches Schuldeingeständnis an der NRW-Schlappe löste so auch in der Fraktion keine Beißhemmung aus. Nicht nur Horst Seehofer trat öffentlich nach. Schon unmittelbar vor der Wahl hatten die CDU-Ministerpräsidenten Röttgen im Bundesrat bei seinen Solar-Plänen eine Ohrfeige verpasst. Und selbst die Kanzlerin ging auf Distanz als Röttgen - gern als „Muttis Klügster bezeichnet“ - die NRW-Wahl auch zur Abstimmung über sie machen wollte.
Dass der Umweltminister nun offenkundig nicht freiwillig gehen wollte, halten Unionspolitiker für typisch Röttgen. Fehlende Einsicht sei eine seiner vielen Schwächen, sagen selbst Umweltpolitiker. So ein Abgang zeige, dass er selbst in diesem Moment noch zu glauben wusste, was besser für Partei und Land sei.
RÖTTGENS EINSAMER WEG NACH OBEN
Sein Weg nach oben war ebenso rasant wie einsam: So konnte er sich 2010 in einer Mitgliederbefragung gegen den Landespolitiker Armin Laschet überraschend klar bei der Wahl zum neuen NRW-Chef der CDU durchsetzen. Das hatte sein Gewicht auf Bundesebene noch vergrößert, weshalb er Tage später gleich noch zum CDU-Vize im Bund avancierte. Allerdings hatten ihm schon damals Parteifreunde prophezeit, dass mit dem NRW-Landesvorsitz im Falle von Neuwahlen nicht nur die Spitzenkandidatur, sondern auch die Entscheidung für eine Landeskarriere verbunden sei.
Seine Karriereschritte blieben umstritten: So wurden ihm 2009 nach vier Jahren als erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Unions-Bundestagsfraktion ernste Ambitionen auf das Amt des Fraktionschefs nachgesagt - weshalb er mit Volker Kauder aneinandergeriet, der im Amt blieb. Auch das Verhältnis zu Kanzleramtschef Ronald Pofalla galt als gespannt.
Bereits 2006 hatten zudem viele Parteifreunde den Kopf über Röttgens missglückten Wechselversuch auf den Posten des Hauptgeschäftsführers des BDI geschüttelt. Damals hatten ihm etliche Parteifreunde geraten, auf sein Abgeordneten-Mandat zu verzichten. Röttgen setzte sich schon damals über die Empfehlung hinweg und lehnte ab. Die folgende öffentliche Debatte ließ seinen Wechsel in die Wirtschaft platzen. (Reporter: Markus Wacket; redigiert von Thomas Krumenacker)



