„Das kann kein Minister verordnen“
Wien – Die geplante Spitals- und Gesundheitsreform kommt langsam in die Gänge. Mit einer großen Gesundheitskonferenz fiel gestern in Wien der Startschuss zur Erarbeitung von Gesundheitszielen. In einem breit angelegten Prozess unter Einbindung verschiedener gesellschaftlicher Bereiche sollen bis Mitte nächsten Jahres Ziele formuliert und beschlossen werden, die den strategischen Rahmen für die Steuerung des Gesundheitswesens bilden sollen.
Insgesamt sollen etwa zehn Rahmen-Gesundheitsziele festgelegt werden, die für die nächsten 20 Jahre gelten sollen. Zur Mitarbeit eingeladen sind Fachleute, über eine Internet-Plattform (www.gesundheitsziele-oesterreich.at), aber auch die gesamte Öffentlichkeit. Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) hofft auf möglichst breite Beteiligung: „Österreich muss mitmachen.“ Nächsten Sommer sollen die Ziele im Ministerrat abgesegnet werden.
Der Minister betonte, dass dabei auch die soziale Frage sowie Arbeitsverhältnisse angesprochen werden müssten. Der Vorsitzende des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger, Hans Jörg Schelling, meinte, dass nur 20 Prozent der Gesundheit über die eigentlichen Gesundheitsausgaben gesteuert werden können, 80 Prozent aber über andere Faktoren wie Bildung oder Umwelt.
Überhaupt soll der Begriff „Gesundheit“ sehr weit ausgelegt werden. Jedenfalls ist damit mehr gemeint als nur die Krankenversorgung in den Spitälern. „Eine zukunftsorientierte Gesundheitspolitik muss jene Voraussetzungen schaffen, die helfen, die Gesundheit der Menschen zu erhalten und nicht erst mit Maßnahmen auf das Kranksein reagieren“, heißt es in einem Strategiepapier des Gesundheitsministeriums für die Konferenz. Daher rücken Faktoren wie Bildungsstatus, Umwelteinflüsse, soziale Sicherheit oder Arbeitssituation in den Vordergrund.
Einfacher formulierte es die Gesundheitsexpertin Ilona Kickbusch: „Gesundheit wird im Alltag hergestellt.“ Das sieht auch Stöger so, wenn er betont, dass Bildung, Einkommen, Anerkennung, Glück und Liebe Faktoren sind, die uns gesund halten. „Das kann kein Gesundheitsminister verordnen.“ (APA, TT)



