31.01.2012, 13:33 
Europäische Union

Polen: Regierung dementiert Euro-Einführung 2015

EU-Parlamentspräsident Schulz sorgte mit Aussage für Verwirrung - Fast zwei Drittel der Polen gegen gemeinsame Währung.
Foto: APA/ROLAND SCHLAGER

Warschau - Polen werde entgegen Meldungen vom Montag nicht 2015 der Euro-Zone beitreten, erklärte der polnische Ministerpräsident Donald Tusk in Brüssel vor Journalisten. Für Verwirrung hatte der Präsident des EU-Parlaments Martin Schulz gesorgt, der dieses Datum nach einem Gespräch mit Tusk nannte. „Dieser Termin wäre keinesfalls realistisch“, korrigierte ihn Tusk.

Offenbar kam es bei dem Gespräch zu einem Missverständnis. Tusk hatte nach eigener Aussage darauf erklärt, dass sein Land bis 2015 die Stabilitätskriterien für einen Beitritt zum Euro erfüllen wolle. Der Regierungschef wies darauf hin, dass Polen vor einer Übernahme der gemeinsamen Währung erst dem Wechselkurs-Mechanismus WKM II angehören müsse, der den polnischen Zloty an einen stabilen Kurs zum Euro heranführen würde. Ein stattdessen mögliches Datum nannte Tusk nicht, ebenso wenig Finanzminister Jacek Rostowski, der die Aussage von Schulz kommentierte. Das Missverständnis erklärte Tusk damit, dass Schulz „ein großer Freund Polens ist und uns wohl ein schnelleres Tempo wünscht“.

Eine jüngste Umfrage des Instituts IIBR zeigt, dass immer mehr Polen die Übernahme des Euro ablehnen. 62 Prozent sprechen sich derzeit gegen die gemeinsame Währung aus, 20 Prozent wollen sie in ihrem Land einführen. Noch vor einem Jahr hatte sich nur etwa die Hälfte der Polen gegen den Euro ausgesprochen. Während sich die Menschen früher vor allem davor fürchteten, dass der Euro zu steigenden Preisen führen könnte, sähen sie in der eigenen Währung nun auch Vorteile für die heimische Wirtschaft, kommentierte Miroslaw Strus von der Landwirtschafts-Universität in Wroclaw (Breslau) gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Newsweek Polska“.

Bei seinem Amtsantritt 2007 hatte Ministerpräsident Donald Tusk gesagt, er wolle das Land auf die Einführung des Euro 2011 vorbereiten. Dieser Plan sei wegen des Ausbruchs der globalen Wirtschaftskrise nicht durchführbar gewesen, erklärte er später. (APA)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Di, 31.01.2012  13:33
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