08.03.2012
Europäische Union

EU sagt Genitalverstümmelung Kampf an

Weltweit sind bis zu 140 Millionen Frauen und Mädchen beschnitten. Der Eingriff endet immer wieder tödlich.

Brüssel – Tausende Mädchen in Afrika sind nach Angaben der EU durch ein Aufklärungsprogramm vor einer Genitalverstümmelung bewahrt worden. Das gemeinsame Projekt von EU und dem UNO-Kinderhilfswerk Unicef habe zwischen 2008 und Anfang 2012 in Ägypten, Äthiopien, Eritrea, Senegal und dem Sudan Tausende Familien oder soziale Gemeinschaften überzeugen können, mit der Praxis der Beschneidung von Mädchen zu brechen, erklärte EU-Entwicklungskommissar Andris Piebalgs gestern in Brüssel. Die EU steuerte demnach 3,9 Millionen Euro zu dem Programm bei. Allein im Senegal, wo 28 Prozent der heute zwischen 15 und 49 Jahre alten Frauen beschnitten seien, schworen in den vergangenen zehn Jahren mehr als 5300 Gemeinden dem Brauch ab. In Ägypten, wo mehr als 90 Prozent der Frauen beschnitten seien, hätten vergangenes Jahr rund 18.000 Familien davon überzeugt werden können, Mädchen nicht mehr zu beschneiden.

Genitalverstümmelung ist eine insbesondere in Afrika sowie in einigen Regionen Asiens und des Nahen Ostens verbreitete Praxis, die Mädchen angeblich heiratsfähig machen soll. Dabei wird den jungen Mädchen die Klitoris teilweise oder ganz entfernt. In gravierenden Fällen werden die Schamlippen zugenäht und nur eine kleine Öffnung gelassen. In der Regel wird die Prozedur unter unzureichenden hygienischen Bedingungen vorgenommen. Der Eingriff verursacht starke Schmerzen, Schockzustände und starke Blutungen. Immer wieder sterben Mädchen an den Folgen, häufig kommt es zu Infektionen und chronischen Entzündungen. Weltweit sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis zu 140 Millionen Frauen und Mädchen beschnitten. Laut Unicef werden etwa drei Millionen weibliche Personen jährlich einer Genitalverstümmelung unterzogen. Das entspricht etwa 8000 Mädchen pro Tag. Auch in Österreich sind Frauen von Genitalverstümmelung bedroht. Laut SPÖ-Entwicklungssprecherin Bayr sind in Wien rund 1900 Frauen, die aus Ländern stammen, wo Genitalverstümmelung verbreitet ist, einem potenziellen Risiko ausgesetzt. (TT, APA)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 08.03.2012
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