Speedy-Sarko lahmt, die Schlaftablette ist erwacht
Paris – Im Februar 2007 war die Mehrheit der Franzosen noch überzeugt: Mit Nicolas Sarkozy als Präsidenten kommt der Neuanfang. Er kann die hohe Arbeitslosigkeit beenden und der Grande Nation ihren Stolz zurückgeben. Doch bereits wenige Stunden nach seinem Wahlerfolg am 6. Mai setzte bei vielen Ernüchterung ein. Sarkozy feierte seinen Sieg mit Unternehmensbossen und Popstars in einem protzigen Nachtclub und schlug in der Folge auch als Präsident einen rüden Ton an. Schnell machte das böse Wort vom Präsidenten „Bling bling“ die Runde, einem Staatsoberhaupt des Glamour, Glitzer und Neureichentums.
Überheblich, scharfzüngig und ungeduldig – das sind die Attribute, die viele Franzosen Sarkozy nach fünf Jahren im Élysée-Palast zuschreiben. Er gilt mittlerweile als der unpopulärste Präsident Frankreichs. Daran konnte auch die schillernde „First Lady“ Frankreichs, Model und Sängerin Carla Bruni, nichts ändern. Doch nicht nur sein persönlicher Stil hat Sarkozy in Misskredit gebracht. Vor allem die schlechten Wirtschaftsdaten sind ein Klotz am Bein des konservativen Amtsinhabers. Als Sarkozy das Ruder übernahm, versprach er, den Stillstand seines Vorgängers Jacques Chirac zu beenden. Unter dem Slogan „Mehr arbeiten, mehr verdienen“ gelobte er, bis zum Ende seiner Amtszeit die Vollbeschäftigung wiederherzustellen und die Kaufkraft zu erhöhen. Gegen den Widerstand der Straße setzte Sarkozy dann auch die Pensionsreform durch und senkte die Steuern.
Doch fünf Jahre nach seinem Amtsantritt ist die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft im Sinkflug, der Schuldenberg gewaltig angewachsen und die Arbeitslosigkeit auf knapp zehn Prozent geklettert. Sein AAA-Kreditrating hat Frankreich bereits verloren, mit Deutschland kann die Grande Nation nicht mehr mithalten. „Speedy Sarko“ hat viel von seinem Elan und Zauber verloren. Im Vergleich mit seinem sozialistischen Herausforderer François Hollande, der wenig Realistisches im Wahlkampf anzubieten hatte, halten viele Franzosen Sarkozy freilich immer noch für den besseren Krisenmanager. (jec, Reuters)



