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Syrien-Konflikt

Teheran: Angriff auf Syrien wäre auch Angriff auf den Iran

Der Iran steht in der Syrien-Krise auf der Seite von Präsident Bashar al-Assad, dessen Regime unter anderem als engster Verbündeter im Kampf gegen den Erzfeind Israel gilt.

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Teheran/Damaskus - Ein militärischer Angriff auf Syrien wäre für Teheran auch ein Angriff auf den Iran. Das sagte am Samstag Ali Akbar Velayati, der außenpolitische Berater des obersten geistlichen Führers des Iran, Ayatollah Ali Khamenei.

„Syrien ist in der Region Teil eines goldenen Ringes des Widerstands (gegen Israel), daher sollte alle wissen, dass ein Angriff auf Syrien auch einer auf diesen Ring und den Iran sein würde“, sagte der ehemalige Außenminister in einem Interview der Nachrichtenagentur Mehr. Ohne die logistische Hilfe Syriens wäre die Hisbollah-Bewegung in den Kriegen gegen Israel nie siegreich gewesen.

Der Iran steht in der Syrien-Krise auf der Seite von Präsident Bashar al-Assad, dessen Regime unter anderem als engster Verbündeter im Kampf gegen den Erzfeind Israel gilt. Auch ein politischer Wechsel in Damaskus sollt nach Teheraner Auffassung über Neuwahlen bestimmt und nicht von außen gesteuert werden. Irans Unterstützung für Assad hat die Beziehungen zum Nachbarland Türkei, zu Ägypten, Saudi-Arabien und anderen arabischen Ländern erheblich verschlechtert, da diese auf der Seite der syrischen Rebellen stehen.

Syrische Rebellen haben im Nordwesten des Landes ein Gefängnis gestürmt und rund 300 Insassen befreit. Zuvor habe es in dem Zentralgefängnis in der Stadt Idlib und in seiner Umgebung heftige Kämpfe gegeben, berichteten Aktivisten am Samstag.

Regimetreue Fernsehsender meldeten, die Gefechte in der Umgebung des Haftanstalt dauerten an. Die Armee habe Verstärkung geschickt, alle Kommunikationskanäle mit dem Gefängnis seien gekappt worden. Wegen der Medienblockade sind Informationen aus Syrien von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen. Unterdessen berichteten Aktivisten, in der Hauptstadt Damaskus sei eine Autobombe explodiert. Angaben zu möglichen Opfern lagen nicht vor.

Keine direkten Gespräche mit USA

Der Iran hat am Samstag direkte Gespräche mit den USA abgestritten. Gleichzeitig forderte Teheran, die internationalen Gespräche über sein Atomprogramm doch noch im Jänner fortzusetzen. Es habe weder Gespräche mit den USA noch Anweisungen dafür gegeben. Solche Gespräche seien nur nach ausdrücklicher Anweisung des iranischen geistlichen Führers Ayatollah Ali Khamenei möglich. Und die gebe es bisher nicht, sagte Ali Akbar Velayati.

Velayati wies vehement Presseberichte zurück, wonach er selbst an über den Oman vermittelten Gesprächen teilgenommen haben soll. Nach der iranischen Verfassung hat Khamenei das letzte Wort in allen politischen und strategischen Belangen.

Präsident Mahmoud Ahmadinejad hatte sich im September 2012 für direkte Gespräche mit den USA ausgesprochen, um den Atomstreit beilegen zu können. Der Westen verdächtigt den Iran, Atomwaffen zu entwickeln. Teheran bestreitet dies. Washington und Teheran unterhalten seit mehr als 30 Jahren keine diplomatischen Beziehungen.

Neues Angebot vorlegen

Der iranische Atomunterhändler Ali Bagheri verlangte eine zügige Fortsetzung der Atomgespräche mit den UNO-Vetomächten und Deutschland. Die Gespräche seien für den 28. und 29. Jänner geplant und alle sollten sich daran halten, sagte der Vizechef der iranischen Delegation der Nachrichtenagentur Fars.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton hatte am Freitag mitteilen lassen, sie erwarte neue Gespräche frühestens im Februar. „Die Kontakte zur Frage, wann und wo die nächste Runde der Verhandlungen stattfinden soll, laufen noch“, erklärte eine Sprecherin Ashtons. Ein EU-Diplomat sagte: „Wir waren hinsichtlich des Datums und des Ortes sehr flexibel. Wir möchten ein neues Angebot vorlegen, aber wir bekommen bisher noch keine Chance, das zu tun.“

Ashton hatte mit dem iranischen Chefunterhändler Said Jalili 2012 im April in Istanbul, im Mai in Bagdad und im Juni in Moskau verhandelt. Im September gab es ein informelles Treffen in Istanbul. Der Iran lehnt Istanbul als nächsten Gesprächsort ab und hat Kairo vorgeschlagen. Ägypten hat aber noch keine Bereitschaft gezeigt, als Gastgeber aufzutreten. Beobachter sehen in dem Streit um Ort und Datum auch Verschleppungsstrategien.

Teheran beharrt auf sein Recht zur Urananreicherung und begründet das mit dem Bedarf an Kernbrennstoff und Material für medizinische Zwecke. Die Großmächte bezweifeln den zivilen Charakter des Programms und die UNO haben Sanktionen gegen den Iran verhängt. In diesem Zusammenhang streitet die Internationale Atomenergiebehörde IAEA in Wien mit Teheran um Zugang zu Militär- und Atomanlagen, um die Vorwürfe klären zu können. (APA/dpa)

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